Tamar Verete-Zehavi – Aftershock

tamar-verete-zehavi-aftershock
Tamar Verete-Zehavi – Aftershock

Bevor Ella sich mit ihrer Freundin Jerus für den Abend zurechtmachen kann, soll sie noch kurz für ihre Großmutter einige Besorgungen tätigen bevor der Schabbat beginnt. Plötzlich durchzieht ein Knall die Luft, ein Selbstmordattentat vor dem Supermarkt, der Ellas Freundin in den Tod reißt und sie sowie unzählige andere verletzt. Ella hatte Glück, denn sie hat keine allzu schweren Verletzungen und ist noch am Leben – aber ist das wirklich ein Glück? Schon im Krankenhaus drehen sich ihre Gedanken nur noch um die Attentäterin, ein 18-jähriges Mädchen aus Palästina. Sie will nicht wie die extremen Rechten anfangen die Araber zu hassen und doch verspürt sie eine enorme Wut, dass man ihr die Freundin genommen hat. So zu leben wie vorher ist nicht mehr möglich, denn alles hat sich verschoben.

Tamar Verete-Zehavi schildert glaubwürdig aus der Sicht eines jungen Mädchen das einschneidende Erlebnis. Zunächst die unmittelbaren Gedanken bezogen auf sich selbst, bevor sie den größeren Zusammenhang erfassen kann. Die kritische emotionale Lage zwischen dem eigenen Überleben und dem Verlust der Freundin, der bedeutungslos gewordenen Umwelt und den immer tiefer eingrabenden Gedanken um die Motive der Täterin werden intensiv und nachvollziehbar geschildert. Man kann die Reaktionen des Mädchens verstehen, der Wunsch einerseits nach Rache, aber auch danach zu verstehen, warum so etwas passieren kann und gleichzeitig doch auch der Wille nicht noch mehr Hass zu säen, sondern Frieden zu suchen. Die langsame Annäherung an die palästinensische Realität, wo sie ebenfalls auf Schmerz und Wut trifft.

Die Autorin schafft es, eine individuelle Geschichte, wie sie sich leider täglich ereignet, exemplarisch zu erzählen ohne in stereotype Muster zu verfallen und allzu einfache Erklärungen zu geben. Die Zerrissenheit ob der komplexen sachlichen wie emotionalen Lage kommen hierbei gut zu tragen und bieten auch keine schnellen Lösungen für diesen andauernden Konflikt. Sie zeigt auch, dass der Blick nicht nur auf die Täter gerichtet sein darf, sondern die Überlebenden ebenfalls Aufmerksamkeit verdienen in ihrem Kampf zurück ins Leben.

Advertisements