Kai Weyand – Applaus für Bronikowski

kai-weyand-applaus-für-bronikowski.png
Kai Weyand – Applaus für Bronikowski

Ein Lottogewinn wird alles ändern für Nies und seine Familie. Doch die Zukunftspläne der Eltern, das neue Leben in Kanada, sehen irgendwie nicht vor, dass die beiden Kinder sie begleiten. So bleiben Nies und sein Bruder schon als Jugendliche allein in Deutschland zurück. Aus Protest gibt er sich einen neuen Namen: NC – No Canada. Seine Beziehungen zu Menschen bleiben schwierig, meist ist er allein mit seinen Gedanken und den scharfen Beobachtungen seiner Mitmenschen. Als er zufällig in einer Bäckerei eine Empfehlung von einer Verkäuferin erhält, fragt er sich auch noch, wohin er jetzt spazieren solle. Der Tipp wird sein Leben verändern, führt sein Weg ihn zu einem Beerdigungsinstitut, wo man auch gerade einen Mitarbeiter sucht. Mit den Lebenden kommt NC nur schlecht zurecht, aber für die Toten hat er ein Händchen und er schafft es auch, aus unmöglichen Situationen mit Einfallsreichtum wieder herauszukommen.

Kai Weyands Protagonist ist schon sehr eigen geraten, als Sympathieträger kann man ihn nicht unbedingt sehen, dafür kann er weder zu den Figuren in seiner fiktionalen Welt noch zu dem Leser eine wirkliche Bindung aufbauen. Das einzige, das ihn sympathisch erscheinen lässt, ist der Umgang mit den Toten, denen er Respekt und Fürsorge entgegenbringt und sie nicht als Körper sieht, sondern als Menschen. Auch dass er durchaus bemüht ist, dem Jungen, den er im Bus kennenlernt, beiseite zu stehen, wenn dieser wieder den Angriffen der anderen ausgesetzt ist, zeigt, dass er eigentlich kein schlechter Typ ist. Trotzdem bleibt er zurückgezogen für sich.

Das Buch lebt weniger von seiner Hauptfigur als viel mehr von den absurden Situationen, in die sich NC manövriert, und seinen schrägen Ideen, um den Toten ihre letzten Wünsche zu erfüllen. So gelingt es dem Autor, neben dem todernsten Thema Bestattung und Umgang mit dem Tod, immer wieder auch urkomische Momente zu schaffen und zu zeigen, dass der Fokus weniger auf dem Verlust als auf den positiven Erinnerungen liegen sollte.

Ein Beruf, der Bestatter, eher zur literarischen Randgruppe gehörend, kommt bei Kai Weyand in unerwartet komisch daher und dem Autor gelingt der Spagat zwischen unterhaltsam und ernsthaft bei diesem heiklen Thema.

Advertisements