Marcia Zuckermann – Mischpoke!

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Marcia Zuckermann – Mischpoke

Als Oberhaupt einer jüdischen Familie ist man Sorgen gewöhnt. So auch Samuel Kohanim zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Alle Buben starben schon kurz nach der Geburt, doch sieben Töchter wurden ihm geschenkt – ein Schelm wer an die sieben biblischen Plagen denkt; doch einfach sind sie wirklich nicht, die Mädchen, jede fordert die Eltern auf ihre Weise. Der Lauf der Geschichte – erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Aufkommen der Nazis und schließlich die Anfänge der DDR – hinterlässt seine Spuren in der jüdischen Familie und ihren Nachkommen. Zwischen dem Versuch die jüdische Herkunft zu verschleiern, Heirat mit Christen und dem unbändigen Glauben daran, dass doch alles an einem selbst vorbeigehen wird, gehen die Töchter und ihre Kinder unterschiedlich mit den Gegebenheiten um. Immer wieder schlägt das Schicksal zu – doch vielleicht kann der Bann gebrochen werden und irgendwann auch einmal wieder Sonnenschein auf die Familie fallen, wenn auch erst Generationen später.

Marcia Zuckermanns Roman über die unsägliche Mischpoke, die Familie, verwebt sich geschickt mit den historischen Ereignissen im deutschsprachigen Raum. Die Repressalien, denen sich Juden ausgesetzt sahen vor, zwischen und während der Weltkriege und ihre unterschiedlichen Wege, sich mit der Situation zu arrangieren, finden Eingang in die Historie der Familie Kohanim. So ist der Familienroman auch ein Zeugnis der Zeit, der man durchaus auch mit Humor und Cleverness begegnete, um dem Schlimmsten zu entgehen.

Neben der Geschichte um die Töchter Kohanim, die aufgrund der verschiedenen Lebenswege und sehr individuellen Geschichten unterhaltsam zu lesen ist, kann der Roman allerdings viel mehr durch den Erzählton überzeugen. Mal lässt die Autorin ihre Figuren frei mit Berliner Schnauze parlieren, mal kommentiert der Erzähler mit ironisch-bissigem Ton die Vorgänge. Für mich tauschen hier typisch jüdische Elemente auf: vom skurrilen Personal über fast bösartigen Humor, der nicht zimperlich mit den Charakteren umgeht, bis hin zur jüdischen Lebenseinstellung, dass die Welt nun mal nicht das Paradies ist, man sich aber irgendwie damit arrangieren kann und man das Positive nur sehen muss. Chancen sind da, um sie zu ergreifen und manchmal schlägt das Schicksal eben zu. Aber das ist noch lange kein Grund, zu verzweifeln. Und so kann der Roman trotz der unsäglichen Ereignisse der Außenwelt unterhalten.

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