Margriet de Moor – Schlaflose Nacht

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Margriet de Moor – Schlaflose Nacht

Wieder einmal kann sie nicht schlafen. Also geht sie in die Küche und backt, ein russischer Zupfkuchen wird es dieses Mal. Seit vielen Jahren wiederholt sie das Ritual, den immer fragt sie sich, was ihren Mann nach nur eineinhalb Jahren Ehe in den Selbstmord getrieben hat. In dieser Nacht denkt sie auch daran, wie sie sich kennengelernt haben, ihre ersten verliebten Tage und Monate. Die Schicksalsschläge in seiner Familie, die seinem Leben eine ganz andere Wendung gegeben haben und die schnelle Hochzeit. Es muss etwas passiert sein in der kurzen Zeit, doch was? Und soll man als Witwe Anfang zwanzig für den Rest des Lebens alleine bleiben? Aber sie liebt ihn doch – und zugleich liegt oben im Bett ein anderer Mann.

Ein Roman geschrieben in einem train of thoughts. Die Gedanken der Protagonistin schweifen hin und her, zwar weitgehend chronologisch und doch gibt es Sprünge und Einschübe von Kommentaren und Gefühlen, die den Text in eine enge Beziehung mit dem Leser treten lassen. Man folgt ihren Gedanken und Erinnerungen, leicht lässt sich ihr emotionales Schwanken zwischen der Liebe zu dem toten Gatten und dem Aufbruch in ein neues Leben nachvollziehen, Auch der Drang herauszufinden, weshalb er es getan hat, noch viele Jahre nach dem Ereignis. Margriet de Moor hat auch die perfekte Länge gefunden: intensiv, aber nie ausschweifend; eine Liebesgeschichte ohne Kitsch; eine Trauerbewältigung, die einem aber emotional nicht überfordert.

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