Gitta Mikati – Berlin Beirut. Eine Lüge zu viel.

Wenn der Krieg plötzlich Gesichter bekommt und sich schwarz und weiß in Grautöne auflösen…

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Gitta Mikati – Berlin Beirut. Eine Lüge zu viel.

Im Sommer 2011 stößt Jasmin im Garten auf die Überreste einer Leiche. Ihre Mutter und ihr Großonkel reagieren nicht sehr überrascht, ach ja, die Leiche, die hatten sie völlig vergessen. Um zu erklären, wer der Tote ist und wie er in ihrem Garten kommt, müssen Ali und Maria weit ausholen und zurück auf die 70er Jahren in Westberlin blicken. Die Zeit, als sie mit Menschenhandel und Asylbewerbern ihr Geld verdienten. Die Zeit als im Libanon Krieg herrschte und die Menschen Zuflucht in der DDR suchen. Die Zeit, als sich Maria in Mahmoud verliebte und von ihm schwanger wurde.

Gitta Mikatis Roman „Berlin-Beirut“ erzählt eine Geschichte von Schmuggel, von den brutalen Zeiten des Krieges und von dem Geld, dass mit Leben und Handel von Menschen und Asylbetrug verdient werden konnte. Die Autorin erzählt auch eine Liebesgeschichte, die voller Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft und ein legales Dasein beginnt und im schlimmstmöglichen Ausgang endet.

Am interessantesten fand ich die Beschreibungen der illegalen Wege, wie aus dem Leid und der Ausweglosigkeit eine ganze Industrie entsteht, die wie geschmiert funktioniert und offenbar auch unglaubliche Summen umsetzt. Es ist nicht schwer zu erraten, dass dieselben Mechanismen auch heute noch funktionieren dürften und die großen Flüchtlingsströme der vergangenen Monate reichlich Kohle in so manche Tasche gespült haben dürften. Jedoch werden hier im Roman den Schleusern Gesichter verliehen und sie bleiben nicht in banaler schwarz-weiß-Zeichnung als nur böse zurück. Ganz im Gegenteil, Ali und Maria sind die eher positiv besetzten Figuren, die vermeintlichen Opfer sind schließlich diejenigen, die brutal und rücksichtslos verhaftet sind in verkrusteten Familienstrukturen und Fehden, die jede Menschlichkeit vermissen lassen.