Feridun Zaimoglu – Isabel

Roman, Rezension, Deutscher Buchpreis 2014
Isabel hat genug. Es muss Ende sein und deshalb packt sie ihre Sachen und verlässt ihren Freund. Sie streift umher in Berlin, begegnet Menschen, vorrangig am unteren Ende der Nahrungskette. Verdient Geld mit zwielichtigen Aufträgen, kommt weder vorwärts noch zurück. Ihre Eltern wollen den Weg in die Bürgerlichkeit für sie ebnen, aber die präsentierten Heiratskandidaten können nicht überzeugen. Doch dann kommt Markus. Zurück aus dem Kosovo, aus dem Krieg, der ihn auch immer wieder in Berlin einholt. Auch er sucht nach einem anderen Leben, denn das alte ist es nicht wert, weitergelebt zu werden.

Ich habe nie wirklich Zugang zu Feridun Zaimoglus Roman bekommen. Zu fremd blieben mir die Figuren, vor allem Isabels launenhaftes Hin und Her, das nicht wirklich erkennen ließ, dass sie irgendeinen Plan hat, hat mich eher genervt als Verständnis für sie zu wecken. Auch die entstehende Liebe zwischen ihr und dem Soldaten – der auch meist nicht mit seinem Namen, sondern seiner ehemaligen Funktion genannt wird, was ich sehr verstörend fand – hat sich mir nicht erschlossen. Sind sie eine Zweckgemeinschaft, ein sich gegenseitig bemitleidend und haltendes Notbündnis? Natürlich gehören in dieses Setting die Menschen, mit denen man nicht unbedingt täglich Umgang haben möchte, sprechen diese eine Sprache, die man abstoßend und vulgär finden kann – das hat der Autor auch glaubwürdig und authentisch eingefangen, aber was bleibt über die Atmosphäre hinaus? Für mich gibt es keine wirkliche Erkenntnis nach dem Lesen, denn auch Sozialkritik kann ich nicht entdecken. 2014 war das Buch für den deutschen Buchpreis nominiert. Nimmt man einen ähnlichen Kandidaten aus 2016, Philipp Winklers „Hool“, der ebenfalls in einem schwer zugänglichen Milieu angesiedelt ist, so kann dieser jedoch mit viel differenzierterer Betrachtung und klarer Message punkten. Was auch immer Zaimoglu sagen wollte, mir hat er nichts sagen können.
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