Javier Marías – So fängt das Schlimme an

Rezension, Roman

Juan erinnert sich zurück an die Zeit, Ende der 70er Jahre, als er direkt im Anschluss an sein Studium eine Assistentenstelle bei dem Regisseur Eduardo erhalten hatte. Er erfolgreicher und bekannter Künstler, seine Frau Beatriz als Gastgeberin und intelligente Gesprächspartnerin in der Gesellschaft geschätzt. Nach außen das perfekte Paar und eine glückliche Ehe. Als Juan jedoch in den Haushalt zieht, um seiner Arbeit stets bereits zu stehen, erlebt er auch die andere Seite dieser Partnerschaft, die so gar nicht auf Augenhöhe stattfindet. Wüsten Beschimpfungen ist Beatriz ausgesetzt, niedergemacht und gedemütigt wird sie von Eduardo. Doch weshalb? Und was hat es mit dem seltsamen Auftrag auf sich, einen Freund des Hauses zu beobachten? Ein Selbstmordversuch ändert jedoch plötzlich alles und Juan braucht noch mehr Zeit um das komplexe Zusammenspiel von Eduardo und Beatriz zu verstehen und zu durchschauen, wann und warum das Schlimme angefangen hat.

Javier Marías macht es dem Leser nicht leicht. Er spannt ihn lange auf die Folter, bis man erkennt, wie die Figuren ticken und weshalb sie in der Weise agieren, wie sie es tun. Er steigt hinab in die Abgründe der menschlichen Natur, schonungslos lässt er das Böse frei und die Menschen sich gegenseitig bekämpfen bis zum bitteren Tod. Er quält seine Figuren, weil so das Leben sein kann oder gar ist. In dieser Beziehung ist er gnadenlos ehrlich, denn beschönigt wird hier gar nichts. Er lässt auch keine Tragödie aus, die ihnen widerfahren kann und lädt ihnen allen Schuld auf an den unschönen Erlebnissen. Sprachgewaltig bringt er alles zusammen und zeichnet ein interessantes, wenn auch düsteres Bild Spaniens vor fast 40 Jahren.

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