Mikaela Bley – Glücksmädchen

Roman, Krimi, Rezension
Die 8-jährige Lycke wird vermisst. Ihre Stiefmutter hatte sie beim Tennistraining abgesetzt, doch dieses fiel aus und nun fehlt von dem Mädchen jede Spur. Die Polizei scheint nur halbherzig zu suchen, doch die Reporterin Ellen Tamm ist sofort alarmiert: ihre Zwillingsschwester Elsa verschwand ebenfalls als Kind. Schnell wird der Fall eine Meldung für ihren Sender und dank ihrer Kontakte zur Polizei, kann sie an vorderster Front berichten. Aber das reicht ihr nicht. Besessen vom Tod Elsas ermittelt Ellen auf eigene Faust und bringt sich damit selbst in Gefahr.

Der Krimi konnte mich leider weder packen noch kam beim Lesen zu irgendeinem Zeitpunkt Spannung auf. Die Handlung war mir alles in allem zu konstruiert und zu wenig motiviert. Leider fehlen dem Roman auch die Sympathieträger, alle Figuren sind auf unterschiedliche Art abstoßend und nervend, so dass man bald schon keine Lust mehr hat, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Insbesondere die Protagonistin wirkt unangenehm penetrant und ohne jeden Sinn für das menschliche Miteinander; hinzukommt, dass ihr Handeln leider völlig unrealistisch ist. Ziemlich unbehelligt tappt sie an Tatorten rum, kann wichtige Zeugen befragen und lässt die Stockholmer Polizei unfähig und eher wie Landpolizisten wirken, was leider sehr weit hergeholt scheint. Der Roman arbeitet vorwiegend mit Versatzstücken, die sich in den letzten Jahren gut verkauft haben: Handlungsort Skandinavien, zerrüttete Familien, korrupte Polizei, unerschrockene Ermittlerin mit Depression – diese werden wenig kreativ und unter Verzicht auf innovative Ansätze und Spuren aneinander geklatscht. Dazu eine parataktische Sprache, die nie einen Erzählfluss findet und immer wieder holprig wirkt, insbesondere die Dialoge sind hölzern und wenig realistisch. Alles in allem, eine ziemliche Enttäuschung.

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