Vladimir Sorokin – Der Schneesturm

Eine Irrfahrt im russischen Winter. Der Arzt Garin muss schnellstmöglich nach Dolgoje, um die Menschen dort mit Medizin zu versorgen. Nur der Brotkutscher Kosma ist bereit, bei den herrschenden Witterungsverhältnissen eine solche Fahrt auf sich zu nehmen. Mit seinen Minipferdchen machen sie sich auf in die Schneelandschaft, die all ihre Kräfte fordern wird und sie an den Rand der Erschöpfung bringt. Kufen brechen, Zwangspausen führen sie zu wundersam-seltsamen Bewohnern der Gegend, die Verzweiflung wird immer größer. Doch die heilbringenden Medikamente müssen ausgeliefert werden und so geht es trotz aller Widrigkeiten immer weiter.
Man weiß nicht genau, wo man sich in Sorokins Roman befindet. Er lässt sich an wie eine Geschichte aus dem vorletzten Jahrhundert, einer längst vergangenen vortechnologischen Zeit. Doch dann wiederum kommen auch technische Errungenschaften, die uns voraus zu sein scheinen. Der Weg ist das Ziel – und dieser ist beschwerlich, die Natur erspart den beiden Männern nichts und so kämpfen sie nicht nur miteinander, sondern auch gegen einen übermächtigen, gnadenlosen Gegner. Bisweilen weiß man auch nicht mehr, ob sie nicht schon völlig im Wahn ihre Umwelt gar nicht mehr richtig wahrnehmen, sondern nur noch fantasieren. Beide Charaktere sind glaubwürdig dargestellt und können auf ihre Weise diese Geschichte tragen. Sorokins Roman erinnert an die großen Russen (nur mit überschaubar wenig Personal) und kann seinen Platz neben diesen ganz unbescheiden einnehmen.

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