Meg Rosoff – Oh. Mein. Gott

Gott würfelt nicht – aber es wird Poker gespielt im Himmel und so gewinnt Mona den ziemlich abseitigen Planeten Erde, den sie als Göttin gestalten kann, wie sie will. Da sie aber keine Lust darauf hat, übergibt sie ihn kurzerhand ihrem etwas einfältigen Sohn Bob, der dort Gott spielen und sich austoben darf. An seiner Seite hat er Mr B., der ein wenig nach dem Rechten sieht. Als Bob eines Tages die traurige Tierpflegerin Lucy entdeckt, ist es um ihn geschehen. Unendlich verliebt will er das Mädchen erobern, koste es, was es wolle. Dass eine Beziehung zwischen Gott und einem Erdling nicht wirklich zukunftsträchtig ist, spielt für Bob aber keine Rolle.

Herrlich komisch und so gar nicht ernstzunehmend stellt uns Meg Rosoff ihren ganz speziellen Himmel und vor allem den Erschaffer der Erde vor. Liebenswert sind alle Figuren, auch wenn sie noch so schräg sind. Und allzu menschliche Verhaltensweisen und Eigenarten weisen sie zudem auf, so dass das Wiedererkennen auch nicht besonders schwer fällt. Eine humorvolle Reise in ein Paralleluniversum, das vielleicht doch näher an unserer Welt ist, als man glauben mag.
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Deniz Selek – Kismet. Oliven bei Vollmond

Die 14-jährige Jannah kann es nicht fassen: gerade haben sich ihre Eltern getrennt, bringt die Mutter schon einen neuen Mann vorbei. Und der ist ausgerechnet er Vater von Ken, den sie schon seit Monaten heimlich anhimmelt. Aber es kommt noch besser: sie wollen auch zusammenziehen und Jannah soll mit Ken und dessen unausstehlicher Schwester eine neue Patchwork-Familie bilden. Ihr Vater kann das Leid kaum lindern, denn er zieht sich immer weiter zurück. Doch ganz so schlimm, wie befürchtet, wird der neue Alltag nicht – nur das Chaos hat sich vervielfacht.
Der erste Band um die kuriose und multinationale Patchwork-Familie bietet eigentlich alles, was den Alltag von typischen Teenagern bestimmt und was man von einem Jugendroman für Mädchen erwarten würde: erste Liebe, Stress mit den Eltern, schwierige Zeiten in Freundschaften und das Erwachsenwerden als solches. Da alles packt die Autorin in sympathischer Weise mit viel Situationskomik und unterhaltsamen Dialogen in ein Buch, das so wirklich Spaß macht zu lesen. Die Protagonistin Jannah ist nicht nur sympathisch, sondern auch authentisch in ihrer Art und kann so die Handlung locker tragen.

Alexandra Kleeman – A wie B und C

A, die Erzählerin, ist jung und attraktiv. Als ihr seltsamer Mitbewohner auszieht, sucht sie für eine WG eine Person, die ihr ähnlicher ist. In B findet sie die perfekte WG-Partnerin. Doch bald schon nehmen die Ähnlichkeiten gruselige Züge an, denn B will immer mehr wie A sein, geradezu mit ihr verschmelzen. Auch dass A gerne Zeit mit ihrem Freund C verbringen möchte, ist für B nicht akzeptabel. Langsam bricht As Welt immer weiter zusammen, sie beobachtet seltsame Vorgänge bei ihren Nachbarn, im Supermarkt und kann bald auch ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Erlösung von all dem Chaos scheint ein vielversprechender ominöser Ort zu sein, der jedoch noch mehr Ernüchterung bringt.
Zu sagen, dass das Buch sehr eigen ist, wäre noch untertrieben. Bisweilen ist es sogar hochgradig absurd – eben wie das Leben bisweilen. Der erste Teil, der das Zusammenleben von A und B thematisiert, war für mich sehr stark. Die offenkundigen psychischen Erkrankungen unter denen beide Mädchen leiden, werden nicht offen angesprochen, aber in ihrem Handeln offenkundig, die Hilferufe mehr als klar. Der zweite Abschnitt, im Wesentlichen mit der unerfüllten Liebe und Sehnsucht nach C beschäftigt, zeichnet den Weg der Verzweiflung, der konsequent und logisch nur in der Hinwendung zu einer seltsamen Sekte münden kann. Viele Probleme unserer westlichen, oftmals oberflächlichen Welt finden ihren Platz in diesem Roman: das perfekte Aussehen, Sucht nach immer schlankeren und perfekteren Körpern, die Sorge vorm Verlassenwerden, anonyme Wohnsiedlungen, isolierte Arbeitsplätze und sich in der Welt verloren fühlen. Dabei wird vieles indirekt kritisiert und doch offenkundig, dadurch wird der Roman ein Abbild unserer Zeit.  Vor allem die Beziehungen der Menschen zueinander sind symptomatisch für das beginnende 21. Jahrhundert, ganz zu schweigen von abstrusen Fernsehsendungen, wie sie hier gezeigt werden.
Bisweilen irritierend hat der Roman jedoch einen sehr starken und wichtigen Subtext.