Katharina Höftmann – Guten Morgen, Tel Aviv

„Guten Morgen, Tel Aviv“ heißt es für die Journalistin Katharina Höftmann, nachdem sie für ihren israelischen Lebensgefährten ins Heilige Land gezogen ist. Was sie im Urlaub als ungemein spannendes und aufgeschlossenes Land erleben durfte, erweist sich im Alltag doch als nennenswert anstrengender als erwartet. In kurzen Anekdoten berichtet sie von ihren Erlebnissen in den ersten Monaten in ihrer Wahlheimat. Kurioses und Absurdes, Erschreckendes und Komisches halten sich die Waage. Das Land, dem sie so viel Sympathie entgegenbringt, schafft sie bisweilen, so dass sie nur noch in die deutsche Provinz flüchten möchte und doch zieht es sie immer wieder zurück in das Tel Aviver Chaos und das irrationale Verhalten seiner Bewohner.

Kurzweilig und unterhaltsam erhält man so einen Blick in den israelischen Alltag zwischen bedrohlichen Attentaten, Gedenken an den Holocaust und dem Feiern des Lebens. Die bisweilen abstruse Situation, in der sich das Land und seine Bewohner befinden – zwischen unmittelbarer Terror- und Kriegsbedrohung und ausschweifendem, fast sorgenfreien Leben nach westlichem Maßstab – befördert so mach unverständliche Konstellation hervor, die mit dem Humor und den pointierten Kommentaren der Autorin gelungen wiedergegeben werden. Ein kleiner, ganz und gar nicht ernsthafter, wenn doch auch ernstzunehmender, Beitrag zum Einblick in das junge Land.
Advertisements

Juli Zeh – Unterleuten

Brandenburg, das idyllische Dorf „Unterleuten“. Ein Sammelsurium alteingesessener Bewohner, die die DDR überlebt haben und heute noch genauso leben wir vor 40 Jahren. Auch ein paar Zugezogene gibt es, die Nähe zu Berlin ist ideal, um Stadtleben und Landleben zu verbinden. Was so harmonisch sein könnte, wir durch alte Fehden bestimmt und von älteren Männern, die nicht vergessen können oder wollen und die die tradierten Feindschaften pflegen. Als die Option auf einen Windpark besteht, der die Dorfkasse sanieren könnte, droht die kleine Gemeinschaft zu zerbrechen. Zünglein an der Waage wird eine Neubürgerin, die nicht versteht, in welchen Krieg sie sich begeben hat und dass sie durch ihr Handeln alle ins Unglück stürzen wird.

Ein großer Roman, der das Dorfleben glaubwürdig und authentisch einfängt. Die wirtschaftlichen Zwänge, die nur marginal die über Jahrhunderte festgefahrenen Strukturen beeinflussen, sind Anlass und Auslöser für die akute Krise. Der Windpark – ein hochaktuelles Thema und landauf landab Zerreißprobe für viele kleine Gemeinschaften mit sich widersprechenden Erwartungen und Bedürfnissen – kann tauglich das Chaos auslösen. Dabei bleiben die Figuren mit all ihren Eigenarten, Unzulänglichkeiten und ihrem oftmals irrationalen Verhalten jedoch immer im Vordergrund. Sie sind das Zentrum, in ihren Eigenarten individuell und doch repräsentativ für die Menschen, die man überall finden kann. Ein Stück deutsche Geschichte heruntergebrochen auf ein kleines Dorf im nirgendwo und doch symptomatisch für unsere Zeit und beispielhaft für das, was uns bewegt.