Roland Schimmelpfennig – An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

An einem klaren, eiskalten Januarmorgen steht ein einsamer Wolf am Rande einer schneebedeckten Autobahn. Ein Teenager-Pärchen flüchtet vor den zerrütteten Elternhäusern. Die Eltern suchen sie und suchen auch ihre eigene verloren Jugend. Eine Frau sieht die Überbleibsel ihrer jüngst verstorbenen Mutter durch. ein polnisches Pärchen sieht sich nach Wochen wieder und kann sich doch nicht finden. Die Inhaber eines Berline Spätis spüren eine schwer greifbare Unzufriedenheit und warten auf den großen Augenblick ihres Lebens. Sie alle irren durch die deutsche Hauptstadt, inklusive Wolf, und begegnen sich, sehen sich und verlieren sich wieder. Träumen von einem anderen Leben, denn das, das sie leben, kann niemals ihres sein.
Ein wundervoller Roman, der so geschickt die Einzelschicksale ineinander verschränkt, mit dem Wolf, der sich der Stadt näher und der zugleich fasziniert und Angst macht, als starkem verbindendem Element und Leitmotiv. Ebenso eine Waffe, die die Hände wechselt und von einer zur nächsten Figur wandert, um mal auf die Menschen, mal auf den Wolf gerichtet zu werden. Ein Blick in den Alltag durchschnittlicher Menschen, die sich einfach mehr erwartet hatten vom Leben und sich nur halbherzig zufriedengeben oder Auswege suchen in Alkohol, Flucht oder einer neuen Liebe.

Überzeugend erzählt, scharf beobachtet und in der Summe der Einzelschicksale zwischen erschreckend und hoffnungslos.
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