Caroline Wallace – The Finding of Martha Lost

Abandoned as a baby, Martha Lost spent all her life in the lost property shop of Liverpool Lime Street station where the shop keeper took care of her. When her foster mother dies, Martha is confronted with who she really is since she can only stay in the shop if she can provide the authorities with an identification number and a birth certificate. Apart from her own life’s secret, she has some more mysteries to solve. Hidden doors lead to mysterious tunnels, a suitcase which might be worth millions if it really belonged to the Beatles and an anonymous pen friend who slowly reveals her identity to Martha.

A very sweet, fairy tale like book which nevertheless touches serious questions of how your identity is determined and how important it is to know your family. Martha is a bit naive since she never left the closed world of the train station, but at the same time she acquired a good knowledge of people and is certainly capable of sharp observation. Her compassion for the people around her is greeted with help when she herself is in need and thus the obligatory happy-end is also provided. A lovely book with a bit of melancholy – perfect for a winter evening.
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Emily Walton – Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte

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Emily Walton – Der Sommer…
Sommer 1926. Sein Meisterwerk bekommt nicht die Zuwendung, die er sich erträumt hat. Das Leben in Paris und der schlechte Gesundheitszustand seiner Frau Zelda führen letztlich dazu, dass Sich F. Scott Fitzgerald mit seiner Familie in dem beschaulichen Juan-les-Pins niederlässt, in unmittelbarer Nähe der befreundeten Sara und Gerald, denen es wie keinem zweiten Paar gelingt, Künstler aller Art und vor allem amerikanische Expatriates an die Côte-D’Azur zu locken und dort eine illustre Gesellschaft zu bilden. Auch der noch unbekannte Ernest Hemingway ist darunter und droht Fitzgerald den Rang abzulaufen – was sich schlecht mit seiner Schaffenskrise paart.
Ein Ausschnitt im Leben eines großen Autors, dem zunächst die Anerkennung verwehrt bleibt und der sich mit einer großen Krise rumschlagen muss – bezeichnend, dass diese Niederschlag in einem seiner größten Romane – „Tender is the Night“ – Niederschlag findet und dies heute als sein eigentliches Hauptwerk neben dem Gatsby betrachtet wird. Keinen schönen Einblick erhält man in den Charakter und das Verhalten Fitzgeralds, alle Allüren und Attitüden eines Künstlers offenbart er bei gleichzeitiger Vernachlässigung seiner Kunst, was schade ist, denn  er hätte sicher noch mehr tolle Geschichten zu Papier bringen können.

Fazit: ein kurzes Büchlein, das nur andeuten kann, was für ein Mensch sich sich hinter dem großen Autorennamen verbarg.

Roland Schimmelpfennig – An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

An einem klaren, eiskalten Januarmorgen steht ein einsamer Wolf am Rande einer schneebedeckten Autobahn. Ein Teenager-Pärchen flüchtet vor den zerrütteten Elternhäusern. Die Eltern suchen sie und suchen auch ihre eigene verloren Jugend. Eine Frau sieht die Überbleibsel ihrer jüngst verstorbenen Mutter durch. ein polnisches Pärchen sieht sich nach Wochen wieder und kann sich doch nicht finden. Die Inhaber eines Berline Spätis spüren eine schwer greifbare Unzufriedenheit und warten auf den großen Augenblick ihres Lebens. Sie alle irren durch die deutsche Hauptstadt, inklusive Wolf, und begegnen sich, sehen sich und verlieren sich wieder. Träumen von einem anderen Leben, denn das, das sie leben, kann niemals ihres sein.
Ein wundervoller Roman, der so geschickt die Einzelschicksale ineinander verschränkt, mit dem Wolf, der sich der Stadt näher und der zugleich fasziniert und Angst macht, als starkem verbindendem Element und Leitmotiv. Ebenso eine Waffe, die die Hände wechselt und von einer zur nächsten Figur wandert, um mal auf die Menschen, mal auf den Wolf gerichtet zu werden. Ein Blick in den Alltag durchschnittlicher Menschen, die sich einfach mehr erwartet hatten vom Leben und sich nur halbherzig zufriedengeben oder Auswege suchen in Alkohol, Flucht oder einer neuen Liebe.

Überzeugend erzählt, scharf beobachtet und in der Summe der Einzelschicksale zwischen erschreckend und hoffnungslos.

Kamel Daoud – Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung

Der Fall ist bekannt: 1942 erschießt Meursault am Strand von Algier einen Araber. Der Tod seiner Mutter sowie die Hitze werden als Entlastungsgründe vorgeführt, der ganze Prozess dreht sich um den Täter. Doch wer ist das Opfer? Nicht einmal einen Namen gibt Albert Camus ihm ihn seinem großen Roman „L’étranger“ – doch nun spricht sein Bruder, der nie über den Mord hinwegkommt und Moussas Geschichte bekanntmachen will. Seine Trauer spricht aus jedem Satz und sein Ärger über die Arroganz des Kolonialherren, die sich exemplarisch an den beiden Brüdern zeigt, aber in dieser Weise von vielen erlebt wird.
Ein interessanter Ansatz, den Kamel Daoud wählt und durchaus berechtigt, denn die Gegendarstellung erhellt das, was bei Camus im Dunkeln bleibt. Er gibt dem unbenannten Toten einen Namen und eine Geschichte und verleiht so seinem ganzen Heimatland ein Gesicht. Inhaltlich spannend und sehr lesenswert, bleibt der Roman jedoch sprachlich für mich etwas hinter den Erwartungen zurück. Es fehlen die ganz großen Kniffe – auch wenn der erste Satz für Kenner von Camus schon bezeichnend und sehr gelungen ist.

Ob der Roman ohne seinen Vorgänger lesenswert ist, sei dahingestellt. Für mich macht er erst in Kombination wirklich Sinn und ergänzt um die Folgen und die Reaktionen auf die Erzählung – in Algerien wie in Frankreich – gewinnt er erst sein tatsächliches Gewicht.