Clarice Lispector – Der große Augenblick

Der Schriftsteller Rodrigo erzählt die Geschichte von Macabéa, einer jungen Frau aus dem Nordosten Brasiliens, die es nach Rio verschlagen hat. Mit scharfer Beobachtung nähert er sich dem unbedarften Mädchen, die wenig Zugang zu anderen Menschen findet. Mit ihren Mitbewohnerinnen hat die Schreibkraft nur einen Vornamen gemeinsam, mehr jedoch nicht. Auch ihr erster Freund scheint eigentlich wenig interessiert an ihr und sie weiß gar nicht, wie man etwas für jemanden empfindet. Unterernährt und traurig wandert sie durchs Leben und sucht in diesem einen Sinn für sich.

Zugang zu diesem Buch zu finden, ist nicht sehr leicht. Der Erzähler ist sehr distanziert, fast wie eine Figur im Roman, die jedoch weit abseits steht und von diesem entlegenen Punkt aus beobachtet ohne wirklich zu sehen. Die Handlung ist sprunghaft und unvollständig, Introspektiven, die einem Macabéa zugänglicher hätten machen können, gibt es nicht bzw. nur angedeutet, so bleibt man außen vor und die Protagonistin bleibt eine bedauernswerte Fremde, der man auch nur einen kurzen Augenblick lang auf der Straße begegnen könnte. Mir war das zu wenig und zu distanziert.
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