Johann N. Schmidt – Großbritannien 1945-2010. Kultur, Politik, Gesellschaft.

Die neuere Geschichte Englands mit einem Fokus auf Kultur und Gesellschaft, beides im Spannungsfeld mit der gegenwärtigen Politik, auf einem für den Leser erträglichen Maß an Seiten zu beschreiben, ist keine leichte Aufgabe. Johann N. Schmidt gelingt es dennoch ein informatives wie auch unterhaltsames Buch vorzulegen, das unweigerlich eine Auswahl treffen muss, diese aber sehr gelungen und passend ist, so dass man das Buch nach der Lektüre zufrieden weglegen kann, in dem Wissen, bei Gelegenheit auch einzelne Passagen gerne nochmals zu lesen.
Der Aufbau folgt stringent dem Muster Hinführung zum Jahrzehnt, danach folgt für jedes Jahr eine chronologische Übersicht über die wesentlichen Ereignisse, ergänzt um die wichtigsten Werke aus dem Bereich der Kultur. Im Anschluss werden exemplarisch für das jeweilige Jahr Persönlichkeiten der Geschichte, bahnbrechende Romane, Filme oder Theaterstücke oder auch historische Großereignisse eingehender erläutert, um diese in die Zeit einzuordnen und ihren besonderen Wert als Repräsentant für diese herauszustellen. So entsteht im Laufe der knapp 500 Seiten ein komplexes Bild der britischen bzw. englischen Nachkriegsgesellschaft, die durch die geschichtlichen wie kulturellen Entwicklungen definiert wird ohne sich doch endgültig fassen zu lassen.
An wen richtet sich nun das Buch? An alle, die sich für die neuere Geschichte des Landes in der postimperialistischen Zeit interessieren und die Identitätssuche des zu Ende gegangenen Empire verfolgen möchten. An alle, die sich im weitesten Sinne für die britische Kultur und deren unterschiedliche Strömungen und Einflüsse interessieren. An alle, die Lust haben auf die Wechselwirkungen von Kultur und Politik, die sich in England in besonderem Maße gegenseitig beeinflusst haben.
Fazit: auch wenn mir vieles aus der Geschichte und der Literatur bekannt war, fand ich es doch erfrischend es in diesem Zusammenhang nochmals präsentiert zu bekommen. Manches Werk erhält nochmals einen anderen Sinn so in historischer Konstellation vorgestellt und die Erinnerung, welche Meilensteine der Literatur es wert wären, nochmals gelesen zu werden, ist ebenfalls eine Bereicherung. Der leichte Plauderton des Autors macht die Lektüre trotz der hohen Faktendichte angenehm und ist ein echtes Plus des Buches.

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