Albena Dimitrova – Wiedersehen in Paris

80er Jahre in Sofia. Das kommunistische Regime liegt in den letzten Zügen und verteidigt den Status quo. Die 17-jährige Alba lernt Guéo kennen, einen fast 30 Jahre älteren Regierungsmitarbeiter. Sie treffen sich heimlich, nach der Schule, in fremden Wohungen und leben ein Leben, das es nicht gibt. Zunächst platonisch, doch die Liebe entwickelt sich und die Möglichkeiten Guéos schaffen ihnen Freiräume. Er will das Mädchen immer um sich haben, trotz seiner Ehefrau und der offiziellen Geliebten. Doch sein Plan geht nicht auf und ebenso wie das Land steht auch dieser Liebe eine Zeit des Umbruchs bevor.

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in unruhigen Zeiten. Das Politische überlagert immer wieder das Private und wo es die Liebe einerseits ermöglicht, verhindert es sie auch wieder. Alba erscheint mal als unbedarftes junges Mädchen, das weder die Natur der Beziehung noch die Zeit, in der sie lebt, zu verstehen scheint. Dann wieder ist sie rational und erwachsen und Guéo erscheint regelrecht naiv. Ein Spiel wie ein Pendel, das hin und her schwingt und von dem man nicht weiß, wann und ob es zum Ruhen kommt. Der Roman bleibt schließlich schwer greifbar und kaum einzuordnen. Eine Liebesgeschichte? Gewiss. Eine Momentaufnahme eines Landes im Privaten? Ebenso. Die Geschichte eines Mädchens, das zur Frau wird und doch etwas Kindliches beibehält und zu lieben lernt in Zeiten des Wandels.
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