Zeruya Shalev – Schmerz

Zehn Jahre ist das Selbstmordattentat inzwischen her und dennoch wird Iris täglich an den Tag erinnert, der ihr Leben veränderte. Nicht nur ihr Körper, mühevoll wieder zusammengeflickt, leidet nach wie vor unter Schmerzen. Auch ihre Familie wurde durch das Ereignis nachhaltig verändert. Ihrem Mann Micki hat sie kaum mehr was zu sagen, ihre erwachsene Tochter Alma hat sich völlig von ihr entfremdet und ihr Sohn Omer geht ebenfalls seines Weges. Als sie ihrer Jugendliebe Eitan zufällig begegnet, scheint dies das Ende der Familie zu sein.

Schon bei früheren Büchern der Autorin war das Lesen über weite Strecken eine Quälerei. Nun ein weiterer Versuch, da die Feuilletons sich beinahe überschlagen haben vor Lob. Doch weshalb? Hatte ich erwartet, dass dieses Attentat im Zentrum steht mit seinen Folgen auf die betroffene Frau und die Familie, so wurden diese Erwartungen völlig enttäuscht. Was man bekommt ist eine zermürbte, vom Leben und den Männern enttäuschte Frau, die sich relativ passiv ihrem Schicksal hingibt und sich selbst bemitleidet. Darüber vergisst sie die Menschen um sich rum – insbesondere ihre Kinder – und ist dann wütend, wenn diese sich mehr und mehr abwenden. Das Selbstmitleid der Protagonistin ist schwer zu ertragen, der Titel ist Programm, vor allem ihre Ignoranz über die eigene Mitschuld. Erst als mehr und mehr die Tochter in den Fokus der Handlung gerät, wird der Roman erträglich und gewinnt an Profil. Für mich jetzt definitiv das letzte Werk von Zeruya Shalev. 

Simon Michael – The Brief

Charles Holborne has made his way from the despised Jewish boy to a recognized barrister in 1960s London. Not afraid of digging, he can solve tricky cases and made himself a name in the criminal classes. Yet, his private life is far from being this successful. His wife is unfaithful and he has to admit that a divorce is the only solution left. Not realizing that dark forces are against him, he suddenly finds himself the main suspect of his wife’s murder and has to retreat to the underground from where he now has to fight for his right and name.
The novel starts at a slow pace, the characters are introduced thoroughly and their way of moving around described in detail. However, it is worth keeping on reading because with the murder of Holborne’s wife, the story accelerates and it getting better from page to page. The way the protagonist has to act now to defend himself and to deliver the real culprits is very thrilling and full of suspense. There are some dead ends to who might be behind the whole complot and untangling the conspiracy is great to read.

What I appreciated most is the atmosphere of the time. Simon Michael manages to evoke the spirit of the 60s and thus provides a suitable set for the plot. His characters are designed authentically and the crime is solved completely without leaving any questions open or by providing surprises out of the blue. All in all, a convincing crime novel.