Alan Hunt – No Immunity

In November 2003 the British ambassador is killed just outside his home by a professional assassin. A very dense moment during the talks between the governments about the Falkland Islands. Adam White, Assistant Head of Security in the Foreign Office, quickly finds traces that lead to Angus Sterling, a businessman whose fortune is closely linked to and endangered by the talks. But there seems to be more behind it and the longer the crisis with the South American embassies takes, the more private connections and interests become obvious. When the second ambassador dies, everybody comes under fire.

A classic spy and diplomats novel in the well-known John Le Carré style. Diplomatic entanglements, individual interests and complicated plot with many twits keep you reading on. The characters are created in an authentic way that you can imagine they really exist, especially the behaviour and acting of the personnel of the diverse ministries and embassies seems to me quite logical and believable. Also the side plots about the ambassadors’ wives had some interesting insights to offer. It is easy to see that Alan Hunt knows what he is writing about and does not embellish life in a foreign country as an official representative.

Ilija Trojanow – Macht und Widerstand

Der Sozialismus ist schon längst zusammengebrochen, doch in den Köpfen von Konstantin Scheitanow und Metodi Popow ist vieles auch Ende der 90er noch präsent. Beide werden auf unterschiedliche Weise mit ihrer Vergangenheit im Unrechtsstaat konfrontiert. Konstantin, eins Widerstandskämpfer und schon frühzeitig im Visier der Staatsmacht, erhält endlich Einblick in seine Stasi-Unterlagen, insbesondere zu jenen, die seine Verurteilung 1953 betreffen. All seine Erinnerungen an die damalige Zeit im Widerstand und sein Attentat auf die Stalin-Statue berichtet er seiner Nachbarin, denn mehr Menschen sind ihm nicht geblieben. Metodi wähle ein ganz anderes Leben und konnte sich nach der Veränderung sein Leben gut als Geschäftsmann einrichten – doch dann erscheint eine junge Frau, die behauptet, seine Tochter zu sein, hervorgegangen aus der Vergewaltigung einer im Arbeitslager Inhaftierten.

Macht und Widerstand werden durch die beiden Männer repräsentiert, die im Wechsel ihre Erinnerungen an die alte Zeit, die für keinen genaugenommen gut war, vortragen dürfen. Weder gibt es eine wirkliche Handlung, noch werden die beiden Erzählungen wirklich miteinander verbunden. Sie existieren nebeneinander, wie die Männer und ihre Positionen im Sozialismus und auch danach nebeneinander existierten. Deutlich tritt dabei jedoch hervor, wie die Denkmuster auf beiden Seiten funktionierten und mit welcher erbarmungslosen Grausamkeit Schiwkow und seine Schergen das Land regierten – und wie die alten Kader das neue Land gleichsam weiterführten. Auch wenn ein literarisches Werk, so dürfte dies doch ein Zeitzeugnis der Geschichte Bulgariens im 20. Jahrhundert sein – die sich jedoch genauso in der DDR, Rumänien oder anderen Bruderstaaten der Sowjetunion zugetragen haben könnte.

Zoe Heller – Notes on a Scandal

Die neue Sheba wirkt faszinierend auf das Lehrerkollegium der Londoner Schule, wirkt sie einerseits chaotisch, andererseits völlig frei von Zwängen. Doch die Sache mit dem Unterrichten fällt ihr nicht so leicht, die Jugendlichen zu bändigen misslingt immer wieder und Barbara steht ihr gerne helfend zur Seite. Als alleinstehende ältere Dame verfügt sie über viel Erfahrung im Unterrichten, aber auch in der Schule und dem Leben allgemein. Sie hat allerdings keine Ahnung, wie man damit umgeht, wenn plötzlich eine Kollegin eine Affäre mit einem minderjährigen Schüler beginnt und zwar durchaus das Unrecht sehen kann, aber vor Verliebtheit regelrecht blind wird. Dass dies nicht lange gutgehen kann, versteht sich von alleine.
Zoe Hellers Roman war völlig zu Recht auf der Shortlist des Man Booker Prizes 2003. Die Geschichte wird in Tagebuchform als Erinnerung Barbaras zu einem späten Zeitpunkt des Skandals berichtet und der Autorin gelingt es meisterlich, den Ton dieser vereinsamten älteren Frau mit Katze zu treffen, die nie ernsthafte Liebe erfahren hat und ein weitgehend zurückgezogenes Leben mit einiger Bitterkeit führt. Durch die Brille dieser Färbung, die recht schnell zu Urteilen neigt und eine arrogante Selbstgefälligkeit an den Tag legt, erscheint der Skandal in einem ganz besonderen Licht und lässt vieles, das die Situation der beiden Protagonisten des Skandals betrifft, im Dunkeln. Durch die episodenhaften Erinnerungen wird der Roman lebendig und auch wenn man zwar weiß, dass Sheba die Schule verlassen muss, bleibt doch sehr lange offen, wie der Skandal ans Licht kommt und so baut der Roman auch eine gewisse Spannung auf.

Fazit: mir passiert es selten, dass ich täglich nur wenige Seiten eines Buches lese, um möglichst lange etwas davon zu haben. Dies ist so ein Roman, den man nur uneingeschränkt empfehlen kann.