Chinua Achebe – Things Fall Apart

Okonkwo will vieles als Erwachsener anders machen als sein nachlässiger und fauler Vater. Zunächst ist das Glück auch auf seiner Seite: erfolgreich baut er Yams an und kann sich sogar drei Frauen leisten. Seinem Aufstieg zum Stammesführer steht scheinbar nichts mehr im Wege, doch dann verärgert er einen der Götter und im Dorf ahnt man Schlimmstes. Von einem auf den anderen Tag scheint ihm das Schicksal nicht mehr wohlgesonnen und ein Unglück folgt auf das nächste. Sein Leben zerbricht, als er durch einen Unfall den Sohn eines Klanmitgliedes tötet und sein Dorf für 7 Jahre verlassen muss. Als er zurückkehrt, ist die Welt, wie er sie kannte zerbrochen: der weiße Mann ist gekommen und mit ihm seine Religion und Gerichtsbarkeit.

Chinua Achebe war einer der bekanntesten und erfolgreichsten nigerianischen Autoren der Postkolonialzeit. Präzise schildert er in seinem Buch die Sitten der Stämme, ihren Glauben und wie dieser scheinbar auch von Naturereignissen bestätigt wird. Vieles erscheint uns wenig nachvollziehbar und doch ist diese Welt in sich geschlossen und logisch. Erst durch das Eingreifen der Kolonialmächte wird das Gleichgewicht nachhaltig gestört und die Welt, wie sie Jahrtausende gelebt wurde, gerät aus den Fugen. Ein Zeitzeugnis von unschätzbarem Wert über eine Kultur, die in dieser Form vermutlich schon längst nicht mehr existiert.

Jenny Erpenbeck – Gehen, Ging, Gegangen

Jenny Erpenbecks Roman zu dem die Nachrichten bestimmenden Thema 2015: Asylsuchende in Deutschland. Der emeritierte Professor Richard trifft zufällig auf eine Gruppe von jungen Flüchtlingen auf dem Berliner Oranienplatz. Er will mehr über ihre Geschichte erfahren und geht zunächst genauso wissenschaftlich vor, wie er jahrzehntelang getan hat. Er erarbeitet einen Fragenkatalog, mit dem er sie systematisch erforschen will. Schnell schon merkt er, dass ihre Geschichten so verschieden sind, wie die Menschen. Und dass es doch mehr Parallelen zu seinem eigenen Leben und Erlebnissen, als er sich zunächst vorstellen konnte. Nach und nach gewinnt er ihr Vertrauen und kann Einblick in diese fremde Welt und die der europäischen Asylpolitik gewinnen.

Jenny Erpenbeck gelingt es, sich diesem Thema auf natürliche Weise mit einer großen Neugier zu nähern. Der Protagonist kann den Roman überzeugend tragen, seine Unwissenheit in bestimmten Punkten dürfte den meisten Lesern bekannt vorkommen und die Sympathien, die er im Laufe der Handlung entwickelt, wirken ebenfalls authentisch und glaubwürdig. Hierdurch wird das Ende auch menschlich nachvollziehbar, wenn auch völlig fernab der Realität. Dies ist der für mich einzige große Kritikpunkt. Auch bleibt natürlich eine differenzierte Auseinandersetzung durch die Perspektivwahl und den sehr persönlichen Zugang aus, was man gemessen daran, dass es ein literarisches Werk ist, aber durchaus akzeptieren kann.