Stewart O’Nan – A Prayer for the Dying

Kurz nach dem Civil War muss Jacob Hansen eine weitere dramatische Krise meistern: Das kleine Dorf Friendship wird von einer Epidemie bedroht und Jacob, in Personalunion Bestatter, Priester und Sheriff, muss seine Bewohner in Sicherheit bringen. Was zunächst wie ein kleiner Vorfall mit einem Fremden aussieht, wird schnell zur Bedrohung für die gesamte Gemeinde und keine Familie wird verschont. Dramatisch spitzt sich die Lage zu und Jacob muss zu drastischen Mitteln greifen, um wenigsten einige Bewohner retten zu können.

Ein durch und durch düsteres Buch, das nicht mit Dramen spart und einem spürbar an die Substanz geht. Die Trauer um die Toten, das Verdrängen der bedrohlichen Lage – sehr authentisch wird der Kampf der Bewohner mit sich und ihrem Glauben an Gott geschildert. Das Hadern mit dem Schicksal und dieser unheilbaren Epidemie, die nur durch Feuer ausgelöscht werden kann. In Jacob kulminieren die inneren Stimmen, die sich teils widersprechen und doch auch immer wieder Kraft geben. O’Nan gelingt es die längst vergangene Zeit glaubhaft wieder auferstehen zu lassen.

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Jo Nesbo – Midnight Sun

Sich mit den falschen Leuten anzulegen ist immer gefährlich. Und wenn sie die Fishermans sind, insbesondere. Daher muss Jon aus Oslo verschwinden und sucht Unterschlupf im nördlichsten Zipfel Norwegens, in der Hoffnung dort seinem unvermeidlichen Schicksal zu entgehen. Bei den Samen trifft er auf Hilfsbereitschaft – und Skepsis. Ihre Lebensweise ist ihm fremd, aber er nähert sich ihnen an, insbesondere Lea und ihrem Sohn. Doch diese zarte Freundschaft bringt ebenfalls ihre Schattenseiten mit sich und alte Rechnungen verschwinden nicht einfach, wenn man sich selbst aus dem Staub macht…
Jo Nesbo war mir bislang als einer der überzeugendsten Krimischreiber bekannt, dem es immer wieder gelingt komplexe Krimis zu erschaffen, die den Nervenkitzel bis an den Rand des Erträglichen treiben. All das, was man von ihm gewohnt ist, fehlt hier. Die Handlung plätschert vor sich hin, nur vereinzelt kommt leichte Spannung auf, die aber sogleich wieder abflacht. Kein Konflikt wird ins Extrem gepuscht, um dann zu explodieren, im Gegenteil, das Ende wirkt fast verstörend unpassend für einen Krimi und bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück. Ein unsympathischer Protagonist hat es sicherlich immer schwerer zu überzeugen und fesseln, aber auch in „Blood on Snow“ stand der Erzähler nicht auf der Seite der „Guten“ und dennoch hat man mit ihm gefiebert und gezittert.

Erwartet man einen rasanten Krimi, wird man von gemäßigtem nordnorwegischem Landleben entschleunigt. Setzt man auf zwischenmenschliche Konflikte, die die Figuren vor eine innere Zerreißprobe stellen, ist man doch nur mit banalem Zwist konfrontiert. Leider bleibt das Buch weit hinter den Erwartungen zurück und ist somit kein überzeugendes Werk. Das kann Herr Nesbo besser.

Peter Mayle – The Corsican Caper

Eigentlich lebt der Millionär Francis Reboul ein ruhiges und entspanntes Leben auf seinem Anwesen Le Pharo über Marseille mit Blick aufs Mittelmeer. Die Lage wie auch die Größe des Anwesens ziehen die Aufmerksamkeit des russischen Tykoons Vronsky auf sich, der meist auf seiner Yacht durch die Welt segelt, aber Gefallen an dem Gebäude gefunden hat. Mit Geld kann er Francis Reboul nicht überzeugen und Drohungen wirken ebenfalls nicht, also müssen härtere Mittel her. Und da dies nicht sein erster Mord sein wird, liegt die Lösung quasi auf der Hand.

Peter Mayle ist einer der Vorreiter der französischen cosy crime novels. Neben einer überschaubaren Krimihandlung, die leider auch nur mäßig spannend und überzeugend ist, liegt der Fokus des Buchs auf Landschafts- und vor allem Menübeschreibungen. Alle paar Seiten wird irgendwo eingekehrt und ein 5 Gänge Menü der feinsten Art konsumiert – ganz zu schweigen von den Massen an Champagner, die zwischendurch genossen werden. Hier besticht weniger der Krimiplot als das Ambiente der Schönen und Reichen, die sich an einem der schönsten Flecken der Erde treffen und sich ein wenig die Zeit vertreiben.