Henry James – Daisy Miller

Der Amerikaner Frederick Winterbourne besucht seine Tante in der Schweiz und begegnet dort der jungen Landsmännin Daisy Miller, die ihn sogleich fasziniert. Gemeinsam mit ihrem Bruder und der Mutter bereist sie Europa und sie entspricht so gar nicht den gewohnten Konventionen junger Damen. Ein gemeinsamer Ausflug wird geplant, doch Winterbournes Tante ist wenig begeistert, ist doch der soziale Status der Familie eher zweifelhafter Natur, was sich auch in der Folge bestätigt. In Italien begegnen sie sich wieder und erneut weigert sich Daisy sich den Erwartungen der Gesellschaft zu unterwerfen, was Winterbourne fasziniert und zugleich verschreckt, doch zunehmend muss er erkennen, dass ein solches Gebärden schlichtweg in seinen Kreisen keine Duldung findet.
Für mich einer der schwächsten Romane von Henry James, der ein bekanntes Thema – das Aufeinandertreffen von Europäern und Amerikanern und die unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen und Konventionen – einmal mehr aufgreift und den Plot darum spinnt. Mich kann der Protagonist nicht überzeugen, da er zu eindimensional bleibt und sich nicht entwickelt. Daisy wird nur im Kontrast zur gängigen Erwartung gespiegelt und kann so auch nur wenig Profil über dieses Verhalten hinaus gewinnen.

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James Patterson – Cross Justice

Alex Cross kehrt in seine Heimatstadt in North Carolina zurück, wo sein Cousin Stefan Tate eines unglaubliches Verbrechens angeklagt wird: im Alkohol- und Drogenrausch soll er zuerst eine seiner Schülerinnen vergewaltigt haben, bevor er sich an einem Jungen verging und diesen letztlich tötete. Es sieht nicht gut aus für Stefan, obwohl dieser seine Unschuld beteuert, ist die Beweislast doch erdrückend. Schnell müssen Alex und Bree lernen, dass sie es mit mächtigen Gegnern zu tun haben, die auch über Leichen gehen, um ihre Ziele zu erreichen und Alex und seine Familie geraten in ihr Visier. Aber das ist nicht die einzige Familienangelegenheit, noch viel schwerer wiegen die Entdeckungen, die Alex über seine Eltern machen muss…
Ein typischer Patterson, der alles liefert, was man von dem bekannten Thrillerautor erwartet: einen rätselhaften Plot um einen kaum auflösbaren Fall, ein spannender Schreibstil, der einem fesselt und der gekonnt mit Cliffhangern arbeitet. Die Mischung von kniffliger Polizeiarbeit, aber auch einmal brutaler Härte der Straße ist wie gewohnt wohl dosiert  und im ausgewogenen Verhältnis. Daneben wird die Figur des Alex Cross und seine Familie weiterentwickelt, was sich nun über bereits 23 Bände zieht und den Protagonisten zu einem komplexen und facettenreichen Charakter werden lässt.
Fazit: ein weiterer spannender Roman in der Reihe, der auch für neue Leser sicher problemos den Einstieg ermöglicht.