Harper Lee – Go Set A Watchman

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Harper Lee – Go Set a Watchman

Die junge Jean Louise Finch kehrt aus New York in ihre Heimatstadt Maycomb, Alabama, zurück, um ihre Familie zu besuchen. Für ihren Vater ist sie immer noch das kleine Mädchen, das jeder nur Scout nannte und auch ihre Tante Alexandra wartet nur darauf, dass aus dem Freigeist endlich eine ordentliche Dame wird. Henry, ihr Jugendfreund, könnte dabei entscheidend sein, war Scout doch schon immer das Mädchen, das er bewunderte und liebte, doch diese zunächst erwiderte Liebe bekommt einen jähen Riss, als Jean Louise mit der politischen Realität konfrontiert wird und erkennt, das ihr idealisierter Vater nicht der Mann ist, zu dem sie ihn in ihren Gedanken gemacht hat.

Das lange erwartete und noch viel länger verschollene Buch der Pulitzer Prize Gewinnerin Harper Lee stellt ein Gegengewicht zum Klassiker „To Kill A Mockingbird“ dar, in dem die Figuren sich in der amerikanischen Rassenfrage ganz deutlich positionieren und für die gleichen Rechte Schwarzer wie Weißer einstehen. Nun, 20 Jahre später ist vieles nicht mehr so einfach und die Realität erlaubt keine so klare Positionierung mehr. Wie die Protagonistin mit zunehmendem Alter lernen muss, gibt es oftmals keine einfachen Antworten auf komplexe Sachverhalte und nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Was mir an diesem Roman besonders gefallen hat, waren Scouts Kindheitserinnerungen, die Episoden zeigen Harper Lees Sprachfähigkeit und sind ein lebendiges Beispiel für eine sehr differenzierte Figurenzeichnung. Mal traurig, mal clever, manchmal auch einfach zum Schmunzeln bieten sie ein wirklich tolles Lesevergnügen, dem die theoretisierenden Auseinandersetzungen zwischen Vater bzw. Onkel und Tochter gegenüber stehen. Hier merkt man, dass die Idee noch nicht ganz ausgereift war, denn der Bruch ist enorm, wenngleich die Absicht, die sich im späteren Werk verdeutlichen wird, bereits erkennbar ist.

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