Franz-Olivier Giesbert – Ein Diktator zum Dessert

Mit 105 Jahren hat man so einiges erlebt und Rose möchte ihr abenteuerliches Leben niederschreiben. Von der Geburt in der Türkei, der Vertreibung ihres Volkes dort, Jahres als Sklavin und Dienstmagd, Jahren voller Glück und Zufriedenheit bis hin zur Zeit der Naziherrschaft, als sie, die begnadete Köchin, die Gunst Himmlers erhielt und dieser sie gar nach Berlin lockte. Nie hat sie ihre Unabhängigkeit verloren und wenn das formale Recht mal nicht auf ihrer Seite war, musste sie eben zur Selbstjustiz greifen, um das Gleichgewischt auf der Welt wieder herzustellen.
Das Buch ist in seiner Handlung natürlich völlig abstrus und die Protagonistin herrlich überzeichnet. Ihre trockene, ironisch-bissige Erzählweise lässt einem beim Lesen Schmunzeln, auch wenn einem gerade der Schlag trifft, bei dem, was sie erzählt. Der unterhaltsame Plauderton, zwischen naiv und resolut gekonnt changierend, macht das Buch zu einer wirklich unterhaltsamen Lektüre, die man nicht wirklich ernst nimmt. Hier – und die Parallele trifft auch auf die historischen Elemente zu – erinnert es mich bisweilen stark an Jonas Jonassons Hunderjährigen, der ebenfalls weit gereist war und so manche große historische Persönlichkeit getroffen und beeinflusst hat.

Erwähnenswert bei all der Leichtigkeit und begrenzten Ernsthaftigkeit, mit der die Hauptfiguren des Naziregimes in diesem Buch auftauchen, ist der Anhang, der zahlreiche Lektürehinweise bietet und ein kurzes Glossar zu den erwähnten historischen Personen. Damit gelingt dem Autor für mein Empfinden der Spagat zwischen humorvoller Betrachtung der historischen Realität und angemessener Würdigung der Fakten. 
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