Daniel Anselme – Adieu Paris

„Adieu Paris“ – dabei kommen sie doch gerade erst in der Hauptstadt an, die drei Soldaten Valette, Lachaume und Lasteyrie, die zehn Tage Heimaturlaub genießen sollen. Doch was ist noch übrig von dem Land und der Stadt, die sie vor ihrem Einzug in den Algerienkrieg kannten? Nicht mehr viel. Die Stadt ist ihnen fremd geworden, ebenso die Familie und Freunde. Es bleiben nur die anderen Soldaten, die die Erfahrungen des Krieges geteilt haben und sich ebenfalls nicht mehr zugehörig fühlen und erkennen, dass das Schicksal ihnen die Jugend genommen hat für einen unsinnigen Krieg. So streifen sie umher auf der Suche nach einem Sinn, den es nicht gibt.
Daniel Anselmes Roman, der erst jetzt wiederentdeckt wurde und zur Erstveröffentlichung in den 1950ern wenig Beachtung gefunden hat, schildert das, was wir inzwischen als Erkenntnis aus vielen Kriegen haben: die Soldaten kommen zurück und finden ihr altes Leben nicht mehr. Weder können sie sich wieder einfinden noch wissen diejenigen, die zurückgeblieben waren, wie sie ihnen begegnen sollen, zu tief sind die Wunden, die die Kriege gerissen haben. Anselme wählt ein unbequemes Thema, dem sich die Regierungen vieler Länder nicht stellen wollen: sie schicken junge Menschen, ganze Generationen in sinnlose Kriege und zerstören nicht nur die Leben derjenigen, die in den Kampfhandlung sterben und deren Familien, sondern auch die derjenigen, die zurückkehren müssen in eine ihnen fremd gewordene Welt. Aus jeder Zeile des Romans spricht eine Leere und Sinnfreiheit, die keine Antwort finden, weil es schlichtweg keine geben kann.

Fazit: kein idyllisch-romantisches Paris, wie man es auch Hollywoodfilmen kennt, sondern ein anderes, leeres Paris, zu dem man am Ende fast erleichtert wieder „Adieu“ sagen möchte-

Anne Berest/Audrey Diwan/Caroline de Maigret/Sophie Mas – How to be Parisian wherever you are

Sie sind das Vorbild von Millionen von Frauen, sie werden überall auf der Welt bewundert und jede Frau fragt sich: wie machen sie das nur, die Parisierinnen? Sophie Mas, Audrey Diwan, Caroline de Maigret und Anne Berest sind angetreten, um das große Geheimnis um die Attraktivität der Französin, bzw. der Pariserin im Speziellen zu lüften. In fünf Kapiteln nähert man sich diesem bewundernswerten Wesen: die Grundlagen (bspw. die typische Melancholie oder der natürliche Look), Liebe deine Laster (oder: der etwas ruppige Umgang mit Männern), Steh zu deinen Vorzügen (und betone diese geschickt),Liebe wagen (auch wenn es manchmal weh tut) und Pariser Tipps (um vergnügliche Abende und Tage zu verbringen) laden ein, sich ein Bild dieser Frau zu machen, die gar nicht so einfach zu fassen ist. Ja, sie ist manchmal arrogant, ja, auch sie hat nicht zwangsläufig den perfekten Körper, aber: sie hat Stil, wahrt die Contenance auch wenn‘s schwer fällt und rennt nicht jedem Trend hinterher.
Eine höchst unterhaltsame wie auch informative Lektüre, auch wenn nicht alles tiefe Geheimnisse waren, die sich plötzlich vor einem als Leser auftun. Was bleibt inhaltlich hängen? Das, was bisweilen als hochnäsige Arroganz abgetan wird, scheint einfach ein gesundes Selbstbewusstsein einer modernen Frau zu sein, die sich nicht von außen definieren lässt, sondern das tut, was ihr richtig und wichtig erscheint. Die Vorbilder („Simones“) haben gezeigt, dass man nur mit einer gewissen Hartnäckigkeit sein Ziel erreicht und man dafür nicht zwingend everybody’s darlingsein muss (oder sollte). Dies hilft auch über vermeintliche Makel hinweg, wer mit sich im Reinen ist, kann Cellulitis oder das eine oder andere Gramm zu viel schlichtweg weglächeln.
Unabhängig von der Message, die die vier Autorinnen haben – oder auch nicht, denn so ganz bierernst ist das sicher nicht zu verstehen, passt aber in das Bild einer Frau, die auch mal über sich selbst lachen kann und weiß, wie man mit Klischees umzugehen hat – ist das Buch auch in der Aufmachung sehr gelungen. Unterschiedliche Textformen und Print, im Wechsel mit Bildern, die eine ausgesprochen geschmackvolle Auswahl darstellen und thematisch hervorragend abgestimmt sind, ist es einfach auch schön anzusehen, so dass man immer mal wieder gerne zugreifen wird, um sich ein paar Minütchen damit zu vergnügen. Nicht zu vergessen die Rezepte und Shoppingtipps, die sicher bei Gelegenheit Anwendung finden.

Fazit: ein bisschen Pariserin sollte in jeder Frau stecken – wie viel oder was auch immer sei jeder selbst überlassen.

Matthew Costello/Neil Richards – Cherringham: The Curse of Mabb’s Farm

Ein böser Fluch liegt auf Mabb’s Farm, etwas außerhalb von Cherringham. Seit Charlie und seine Frau Caitlin den Hof übernommen haben, geschehen böse Dinge, die die junge Familie in den Wahnsinn und finanziellen Ruin treiben. Maschinen gehen kaputt, Feuer brechen willkürlich aus, sogar Spuren des Teufels sind zu finden. Lastet auf dem Gut der Fluch dreier Hexen aus dem 17. Jahrhundert? Diese galten als bösartig und schworen wohl kurz vor ihrer öffentlichen Hinrichtung Rache. Jack und Sarah glauben weniger an übernatürliche als an höchst menschliche Ursachen und gehen den Ereignissen auf den Grund.

Bereits Teil sechs der Krimireihe um das englische Dörfchen Charringham und wie immer gelöst von dem ehemaligen NYPD Detective Jack und der Webdesignerin Sarah. Wie immer wird der Roman getragen von der beschaulichen Kulisse und dem Dorfleben, wo man sich an alte Geschehnisse erinnert und auch weiß, wem vor Urzeiten welcher Hof gehörte und welche Geschichte damit verbunden ist. Dieses Mal treten Jacks und Sarahs Privatleben zugunsten der Ermittlungen in den Hintergrund, die quasi bis zur letzten Seite mit der Auflösung zögert und zuvor nur wenige Anhaltspunkte für den Leser lieferte. Aber bei dieser Serie sind es weniger die harten crime stories, die den Spaß bereiten, als das vermeintliche Idyll des Landlebens.