Patrick Modiano – Im Café der verlorenen Jugend [Audiobook]

Das Café Condé steht als Treffpunkt der verlorenen Jugend im Zentrum von Modianos Roman. Vier Stammgäste berichten aus ihrer jeweiligen Perspektive von den Treffen und dem, was sie voneinander wissen oder glauben zu wissen. Louki, die einzige Frau, die in Paris als Tochter der Platzanweiserin des Moulin Rouge aufwächst und schon als Jugendliche intensiv das Nachtleben der schillernden Stadt kennenlernt. Zu früh heiratet sie, nur um schon bald danach ihren Mann wieder zu verlassen und ins Zentrum des Lebens zurückzukehren. Ein Privatdetektiv soll sie ausfindig machen, findet sie auch schnell, sieht aber, dass er der jungen Frau ihr Leben lassen muss und verheimlicht dem Ehemann seine Erkenntnisse. Die beiden anderen – ein Student, der an seinem Studium zweifelt und große Unsicherheiten zeigt, sowie ein Autor, der zugleich Loukis Liebhaber ist, vervollständigen das Quartett.
Einmal mehr schickt uns Modiano in die Welt der Cafés der 1960er Jahre, wo man es mit der eigenen Identität nicht so genau nimmt, die Frauenfiguren geheimnisvoll sind und der Alkohol in zu großen Mengen fließt. Was einerseits interessant ist, hat doch auch einen Wiederholungseffekt – für mich waren die Figuren des Cafés der verlorenen Jugend einfach zu nah an jenen von „Gräser der Nacht“. Auch dort die Cafés, die schwer greifbare aber ungemein faszinierende Frau und die Bohème, die scheinbar nichts anderes tut, als Kaffee zu trinken und über die Welt zu philosophieren. Lässt man dies außer Acht bleibt ein unterhaltsames Hörbuch, das besonders dadurch heraussticht, dass die verschiedenen Perspektiven von unterschiedlichen Sprechen intoniert werden, was ich als sehr gelungen empfand.

Fazit: Sittenbild der Pariser Bohème einer Zeit, die schon lange nicht mehr existiert.
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