Nicole Krauss – The History of Love

Leo Gursky hat sich in seiner polnischen Heimat in den 1930er Jahren in das Nachbarsmädchen Alma Mereminski verliebt. Doch die Zeiten sind hat für Juden und schon bald verlässt Alma das Land gen Amerika, noch nicht ahnend, dass sie schwanger ist. Leo wird erst viel später, nach dem Krieg nachfolgen, doch da hat Alma bereits ein neues Leben und der gemeinsame Sohn einen anderen Vater. Alma lebt in der Gegenwart und trauert ihrem viel zu früh verstorbenen Vater nach, der einst der Mutter ein Buch über eine wunderbare Liebesgeschichte geschenkt hat, das diese nun vom Spanischen ins Englische überträgt. Alma beginnt der Geschichte nachzuforschen und langsam nähern sich die beiden Erzählungen an.
„The History of Love“, ein Buch im Buch mit mehreren Erzählsträngen, die nicht einfach auseinanderzuhalten sind. Es dauert, bis man in dem Buch angekommen ist und die zahlreichen parallel verlaufenden Handlungen trennen und nachvollziehen kann. Aber wundersam fügen sie sich schließlich doch zusammen und so wird aus mehreren eine einzige Geschichte über die Liebe zwischen Männern und Frauen und Eltern und Kindern. Jede einzelne Geschichte birgt eine eigene Tragik in sich, die als übergreifende Trauer ein wenig über dem Buch liegt, ebenso wie die Frage nach der Herkunft und der Identität, die sich gleich mehrere Figuren stellen.

Fazit: wenn man den Weg ins Buch gefunden hat, eine wirklich wunderbare Geschichte über die Liebe.
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Ruth Prawer Jhabvala – Heat and Dust

Eine junge Engländerin begibt sich Anfang der 1970er Jahre auf Spurensuche nach Indien. Die erste Frau ihres Großvaters, Olivia, über die nie in der Familie gesprochen wurde, ist damals in dem fernen Land geblieben, in dem auch ihre Großeltern Jahrzehnte lang gearbeitet und gelebt haben. Lediglich Briefe geben Zeugnis über die Zeit Olivias, ihre Einsamkeit und ihre Bekanntschaft mit einem lokalen Prinzen – dem Anlass für die Scheidung. Parallel erlebt die Protagonistin Indien in unterschiedlichen Facetten und spiegelt das Land in ihren eigenen Erfahrungen und Erwartungen.
Ein Buch, das gleich zwei Geschichten Erzählt. Das alte Indien unter englischer Herrschaft, wo Geringschätzung und Verachtung gegenüber der lokalen Bevölkerung offen ausgetragen und deren Religion und Tradition belächelt werden, beobachtet durch den Blick Olivias, die sich auch nicht ganz von einer höher stehenden Haltung lösen kann, aber versucht, das Land zu verstehen und letztlich dem Charme eines Prinzen verfällt. 50 Jahre später hat sich vieles getan, die Engländer, die nun kommen, suchen spirituelle Erleuchtung und scheitern doch immer wieder an ihren westlichen Vorstellungen, die ihnen keinen Zugang zu dem Land ermöglichen. Der Autorin gelingt der schmale Grat zwischen neutraler Beschreibung und kritischer Bewertung vor dem Hintergrund der eigenen Biographie.

Fazit: ein interessanter Blick auf ein immer noch unbekanntes Land.