Zoe Jenny – The Sky is Changing

Claire und Anthony sind eigentlich in einer glücklichen Beziehung. Nur ein Kind fehlt, um alles perfekt zu machen, so wie bei Claires Schwester Anne. Ihre Schwimmschülerin Nora führt Claire regelmäßig vor, wie schön es sein könnte, sich als Mutter um ihre Tochter zu kümmern. Welchen Sinn sonst sollte ihr Leben haben, vor allem nach dem schrecklichen Unfall, der es ihr für immer unmöglich machte, zu tanzen. Auch Anthony stellt seinen Beruf als Analyst in Frage und beide sehen sich mit der unausweichlichen Aufgabe konfrontiert, mit Mitte 30 Ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben.

Dieses Buch ist einfach nur Zeitverschwendung. Unsympathische und ausgegorene Figuren gepaart mit einer nicht existenten Handlung basierend auf Zeitsprüngen, die keine Motivation erkennen lassen, was soll das? Die Autorin konnte sich offenbar nicht entscheiden, worüber sie schreiben möchte, daher wartet sie mit dem kompletten Rundumschlag an Themen auf: ungewollte Kinderlosigkeit, gewaltsame Jugendliche in europäischen Großstädten, freie Sexualität, IVF, böse Banken, globaler Terror, psychische Traumata, neue Familienkonzepte, Zusammentreffen verschiedener Kulturen. Dass das alles etwas viel ist, kann man direkt erkennen. Und wenn man es dann versucht irgendwie in einem einzigen Roman unterzubringen, wird alles unausgegoren angerissen, logische Zusammenhänge fehlen gänzlich, Positionen werden nicht klar und der Leser fragt sich, worauf die Autorin eigentlich raus will. Besonders unerträglich bei all diesem erzähltechnischen Mist: die weinerliche und nerv tötende Protagonistin Claire, die sich selbst ganz toll findet und fest daran glaubt, dass sie erst dann ein wertvoller Mensch ist, wenn sie endlich ein Kind geboren hat. Diese unsäglich dümmliche Haltung zeigt sich in all ihren Äußerungen, Gedanken und Handlungen und man fragt sich, wie man so etwas einem Leser im 21. Jahrhundert noch zumuten kann.

Fazit: Vollkatastrophe.

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Marianne Jungmaier – Das Tortenprotokoll

Eine unpersönliche Email teilt Friederike mit, dass ihre Großmutter verstorben ist. Zweifelnd macht sie sich auf den Weg in die Heimat. Außer mit der Oma verbindet sie kaum positive Gefühle und Erinnerungen mit dem Ort. Schon der Empfang ist unterkühlt – die Eltern haben noch nie anders kommuniziert als mit gebellten Anweisungen, Zuwendung war Mangelware. Einzig der Nachbarsjunge Tobias, mit dem sie Kindheit und Jugend in Freundschaft und Liebe verbracht hat, gibt ihr Halt. Beim Ausräumen des Hauses stößt Friederike auf das alte Rezeptbuch der Großmutter, das Tortenprotokoll, und dort finden sich neben unzähligen Rezepten auch Briefe, die Zeugnis einer anderen, unbekannten Seite der Frau offenlegen: offenbar gab es im Leben der Witwe nach dem Tod des Mannes noch eine andere Liebe, von der niemand etwas wusste.
Die Tage zwischen Tod und Beerdigung werden zu einer Zerreißprobe für diese hochgradig dysfunktionale Beziehung. Marianne Jungmaier gelingt es unglaublich gut, dies in Worte zu fassen. Besonders die Interaktion der Figuren zeigt, wie gestört das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern und auch zwischen den Schwestern ist. Dazu passt das geheime Leben der Großmutter, das langsam erforscht wird. Vieles wird nicht gesagt, nicht erklärt, aber das ist auch nicht erforderlich, es ist die Atmosphäre, die aus diesem Roman spricht und eine junge Frau vor eine schwere Entscheidung stellt: so weitermachen oder nicht? Kein klassischer coming-of-age Roman und doch steht für mich hier die Beziehung und Auflösung dieser zwischen Protagonistin und ihren Eltern im Vordergrund.

Fazit: gelungene Umsetzung schwieriger innerfamiliärer Beziehungen.