Tom Rachman – The Rise and Fall of Great Powers

2011. Tooley Zylberberg besitzt einen Buchlanden abgeschieden auf einem walisischen Dorf. 1988. Tooley und ihr Vater Paul sind gerade aus Australien weg nach Bangkok gezogen, wo sie wieder einmal eine schreckliche Schule besuchen soll. 1999. Tooley ist in New York und findet in Duncan einen netten Studenten, für den sie sogar ihre Vorsätze beiseiteschiebt. Drei Etappen im Leben einer Frau, die kaum unterschiedlicher sein könnten, man erkennt den Menschen kaum, so sehr hat sie sich in den Jahren dazwischen verändert. Auch die Menschen um sie rum sind jeweils andere. Warum verschließt sie sich vor diesen und was ist das Geheimnis ihrer Vergangenheit?
Ein ungewöhnlicher Roman, der sein Potenzial erst langsam entwickelt und einem dann nicht mehr loslässt. Je mehr man in Tooleys Leben eintaucht, desto faszinierender wird dieses. Man erhält immer nur Fragmente ihres Lebens, die man fleißig wie bei einem Puzzle zusammensetzt, doch ein ganzes Bild will einfach nicht entstehen. Es fehlen Teile, bleiben lange Zeit Lücken. Was von den Erzählungen ist wahr? Wo phantasiert sich das Mädchen etwas zusammen? Erst auf den letzten Seiten lüftet sich der Vorhang und es entsteht ein neues Bild, ungeahnt, aber stimmig.

Fazit: lese, lese, lesen. Eine wunderbare Lebensgeschichte mit viel Mysterium und Literatur.

Mara Ferr – 41, Rue Loubert

Das unerklärliche Verschwinden von 18 Männern beschäftigt die Pariser Polizei. Alle Spuren führen zu einer einzigen Adresse: 41, rue Loubert. Dort lebt seit Jahrzehnten Louise, eine äußerst diskrete Prostituierte, die nur Männer aus den höchsten kreisen bedient und aufgrund ihrer zurückgezogenen Lebensweise von diesen nicht nur geschätzt, sondern auch protegiert wird. Ihr Start ins Leben war schwer, aber sie hat sich aus ärmlichen Verhältnissen rund um den Marseiller Hafen hochgearbeitet und kann sich ihre Kunden seit langem aussuchen. Nur Luc, einem geistig und körperlich behinderten Sohn einer ihrer Beschützer, übernimmt sie ohne dies in Frage zu stellen. Aber Louise hegt auch Geheimnisse, die sie vor ihren Kunden und der Polizei gut zu verstecken weiß, doch man ist ihr auf den Fersen.

Ein Krimi, bei dem vieles schon bald klar ist und der trotzdem nichts an Atmosphäre verliert. Der Autorin ist es wirklich gelungen, das Milieu glaubwürdig darzustellen und die Protagonistin facettenreich und differenziert zu zeichnen. Sie trägt den Roman und zeigt sowohl sympathische wie auch weniger schöne Seiten. Weniger spannender als Krimi als interessante und überzeugende Sozialstudie, die unterhaltsam zu lesen ist.