Neil Gaiman – The Ocean at the End of the Lane

Ein Mann kehrt zurück an den Ort, wo er als Kind gelebt hat und trifft dort auf eine alte Nachbarin. Er erinnert sich an die Ereignisse 40 Jahre zuvor. Die seltsamen Dinge begannen mit einem Bergarbeiter, der als Untermieter bei ihnen einzog und kurz darauf tot war, ebenso wie die Katze der Familie. Ursula Monkton zog als nächstes ein, um auf den Erzähler und seine Schwester aufzupassen, während die Mutter einer neuen Arbeit nachgeht. Er hatte sofort ein ungutes Gefühl, das sich zunehmend verstärkte. Ursula war böse und hinterhältig, aber außer ihm konnte das offenbar niemand sehen. Unterstützung erhielt er nur von dem Nachbarsmädchen Letti, die über ungeahnte Fähigkeiten verfügte und dadurch ein großes Unglück verhindern konnte.
Ein phantastischer Roman mit vielen Elementen der Fantasy Welt ohne jedoch zu weit die Realität zu verlassen. Es spielt mit den kindlichen Ängsten vor Monsters verschiedener Art, der Beobachtung der Welt, insbesondere der Welt der Erwachsenen, die ihnen oftmals nicht zugänglich ist. Nur treibt Gaiman sie etwas weiter, aber ob die Erinnerung später daran wirklich das wiedergibt, was tatsächlich geschah, stellt er bzw. seine Figuren selbst in Frage. nie erinnern sich zwei Menschen in gleicher Weise an dasselbe Ereignis, manchmal trügt einem das, was man glaubt zu sehen oder zu erinnern auch einfach.

Fazit: Monster und Magie in erstaunlicher Weise ganz un-Fantasy-mäßig im besten Sinne zusammengebracht.

F. Scott Fitzgerald – Tender is the Night

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F. Scott Fitzgerald – Tender is the Night
F. Scott Fitzgeralds vierter Roman spielt im Frankreich der 1920er Jahre. Die Schauspielerin Rosemary Hoyt, eine junge amerikanische Schauspielerin, lernt dort das Ehepaar Dick und Nicole Diver kennen und ist sofort von ihnen fasziniert. Doch etwas stimmt mit den beiden nicht, auffällig ist besonders Dicks Neigung permanent Alkohol zu konsumieren. Bei einem Zwischenfall in Paris kommen sie Rosemary, die inzwischen schwer verliebt in Dick ist und sich ihm offensiv an den Hals wirft, zu Hilfe und können so ihre Karriere retten. Ein Rückblick lüftet dann das Geheimnis um diese wundersame Beziehung zwischen Dick und Nicole: er hat sie als er gerade anfing als Psychologe zu arbeiten in einer Klinik kennengelernt, wo sie wegen einer schweren Neurose untergebracht war. Die Ehe hatte schon vor Rosemary Risse und langsam aber sicher nähert sie sich ihrem absehbaren Ende entgegen.
Auch wenn der Roman vielfach gelobt und oftmals als das bessere Werk F. Scott Fitzgeralds angesehen wird, kann ich die Reaktionen zu Zeiten der Veröffentlichung nachvollziehen. Hat man im „Great Gatsby“ das große Motiv, das den Protagonisten leitet und antreibt und dem er alles unterordnet, fehlt hier ein den Roman durchziehendes Thema. Auch hat mich verwundert, wie zunächst Rosemary ganz klar im Fokus steht und dann plötzlich bedingt durch die Rückblende verschwindet und auch später nur noch als Randfigur in Erscheinung tritt. Auch habe ich bessere Romane aus der Entstehungszeit gelesen, die sich mit psychischen Erkrankungen und deren Realisierung in Figuren auseinandersetzen.

Fazit: kann m.E. dem „Great Gatsby“ nicht ansatzweise das Wasser reichen.

Ian Fleming – Diamonds are Forever

Ian Flemings vierter Fall für den Doppel-Null Agenten des Secret Service. Special Branch hat Informationen über einen Diamantenschmugglerring und M. beauftragt Bond, sich in diesen zu infiltrieren, um den Weg von Sierra Leone in die USA und die dortigen Hintermänner offenzulegen. Tiffany Case organisiert in London den Transport und erteilt ihm erste Anweisungen. In den USA trifft er dann schnell auf „The Spangled Mob“, die Brüder Jack und Seraffimo Spang, die offensichtlich das Geschäft leiten. Die Abwicklung läuft nach Plan, doch dann setzt sich Bond über die Anweisungen der Brüder hinweg und verärgert diese.

Der Plot ist durchaus interessant, die Tatsache, dass er auf Recherchen Flemings für ein Sachbuch über Diamantenschmuggel beruht, lässt auch vermuten, dass vieles in der Darstellung durchaus authentisch sein könnte. Allerdings ist der Diamantenschmuggel letztlich nur Vorwand und die eigentliche Problematik kommt leider viel zu kurz. Auch bleiben mir die Figuren hier zu blass, es gibt schlichtweg zu viele Gegenspieler, die alle zu schwach gezeichnet sind, es fehlt die psychologische Motivierung, wie man sie auch anderen Geschichten kennt. Der Rest – das klassische Bond-Girl, der aktionreiche Showdown mit Verfolgung etc. – war wenig überraschend, positiv beeindruckt haben mich allerdings die Dialoge zwischen Bond und M., die unerwartet viel Witz und Esprit seitens des Agenten zu bieten hat.