Nick Groom/Piero – Shakespeare. A Graphic Guide

Shakespeare – klassischerweise als schwerer Stoff angesehen – hier nun in einem ungewöhnlichen, aber durchaus gelungenen Format. Nick Groom als Autor für den Text zuständig bringt auf knapp 200 Seiten alles Relevante in aller Kürze auf den Punkt und kann so als Kurzeinführung zum vermutlich größten englischsprachigen Autor durchaus dienen. Mit aller Vorsicht bei der ungewissen Faktenlage holt er zum Rundumschlag in Sachen Biographie, Werk und Zeit Shakespeares aus und lässt auch die unterschiedlichen Interpretationsansätze des 20. Jahrhunderts – New Historicism ebenso wie Feminism und Queer Theory – nicht aus. Abgerundet mit einem Überblick über das Werk sowie einer Bibliographie ein unterhaltsamer Einstieg in die Thematik.
Piero begleitet den Text mit Zeichnungen, die die geschilderten Aspekte nicht nur graphisch umsetzen, sondern auch bisweilen kommentieren und karikieren. Er lässt Shakespeare und seine Zeitgenossen in dieser Weise auferstehen und hat neben den Informationen des Haupttextes so einen weiteren Blickwinkel auf den Autor.
Aus der „A Graphic Guide“ Reihe gibt es offenbar – mir war die Reihe bislang nicht bekannt – eine ganze Menge an Werken aus dem philologischen Spektrum. Sicherlich mangelt es hier an der notwendigen Tiefe, möchte man sich wissenschaftlich mit der Thematik befassen. Als Einstieg und erster Kontakt finde ich dieses Werk jedoch ausgesprochen gelungen; es macht einen gut recherchierten Eindruck, ist unterhaltsam zu lesen (ähnlich wie auch Bill Brysons Biographie) und kann somit seinen Zweck auch voll erfüllen.

Martin Suter – Montecristo

Jonas Brand ist Videojournalist und immer auf der Suche nach einer Geschichte. Ein Personenschaden in einem Zug, den er als Fahrgast miterlebt, könnte so eine Story sein. Doch interessanter ist etwas anderes, das ihn gerade beschäftigt: als er sich zufällig zwei seiner Geldscheine anschaut, stellt er fest, dass sie dieselbe Seriennummer tragen. Erkundigungen bei seiner Bank zeigen, dass beide echt sind und es diesen Fall gar nicht geben dürfte. Als seine Wohnung durchsucht und er selbst überfallen wird, merkt er, dass er sich offenbar mit deinen Nachforschungen auf dünnes Eis begeben hat. Der bereits vergessene Personenschaden erhält durch die Recherchen plötzlich auch eine ganz andere Bedeutung und als man ihn unerwartet außer Landes schickt, wird ihm plötzlich klar, dass er offenbar für einige Leute eine echte Bedrohung darstellt und diese auch nicht davor zurückschrecken, ihn mit allen Mitteln aus dem Weg zu schaffen.
Martin Suter greift die nun schon seit Jahren andauernde Bankenkrise auf und verarbeitet diese literarisch in einem durchaus unterhaltsamen Krimi. Allerdings bleibt die Handlung doch arg konstruiert, so dass die Menge an Zufällen irgendwann dann doch überhandnimmt und an Glaubwürdigkeit verliert. Auch erwartet er von seinen Lesern offenbar nicht allzu viel Nachdenken und Wissen um die komplexen Zusammenhängen beim Thema Bankenskandal:  alles wird in kleinen Häppchen mundgerecht und äußert simplifiziert dargeboten. Auch das Ende – es drängt sich der Verdacht auf, dass hier schon an die Verfilmungsmöglichkeiten gedacht wurde – bietet eher einen unglaubwürdigen Showdown als ein sauberer, nachvollziehbarer Abschluss. Wanja  Mues als Vorleser wiederum ist einer der besten seines Faches und macht das Zuhören zu einem Genuss.

Fazit: durchaus spannend, aber man könnte die Thematik anspruchsvoller verarbeiten.