Nadja Quint – Halbe Miete

Lilo Gondorf führt auf Rügen ein bescheidenes und ruhiges Leben. Aufregend war ihres ja auch genug, als Kommissarin, dann früh verwitwet allein mit drei Kindern. Nun freut sie sich über ihre Feriengäste und die Ruhe der Insel. Ein Paar hat sich angekündigt, beide etwas älter und die Frau erblindet. Sie machen einen netten Eindruck doch schon am ersten Urlaubstag geschieht das Unglaubliche: Werner Koch stürzt beim Wandern ab. Doch die Leiche ist nicht zu finden. Es scheint kein Unfall, sondern Mord gewesen zu sein. Ermittlerin ist ausgerechnet Lilos Tochter, die der Mutter nicht zu viel über den Fall verraten möchte. Doch die Neugier der Seniorin ist geweckt. Auch die neuen Feriengäste scheinen verdächtig und so ermittelt sie gemeinsam mit ihrem Nachbarn, einfach an der Polizei vorbei.
Was dem Buch gelingt, ist die Szenerie auf Rügen attraktiv und glaubwürdig erscheinen zu lassen. Der Ansatz zweier betagter Freizeitermittler ist hingegen inzwischen etwas überstrapaziert, ebenso wie das Anschmachten von Pastoren oder anderen Religionsvertretern. Insgesamt leiden die Figuren des Romans unter einer erheblichen Blässe und mangelnder Authentizität, weshalb mir insbesondere Protagonistin Lilo sehr fremd blieb. Die resolute Oma hat man schon überzeugender gesehen. Der Fall schien lange Zeit recht glaubwürdig, wartet gegen Ende aber mit so vielen Zufällen auf, dass es – trotz der durchaus vorhandenen Spannung – böse bergab geht und man nur noch den Kopf schütteln mag. Auch der „literarische Kniff“ die Figuren mal spazieren gehen zu lassen und dem Leser nicht zu berichten, was sie aushecken, wurde offenkundig aus der Mottenkiste ganz unten gekramt – ich habe schon lange keine so schwache Auflösung bei einem aktuellen Roman mehr erlebt. Enttäuschend.
Fazit: kommt einem vor wie die sonntägliche Rosamunde Pilcher Verfilmung – tolle Kulisse bei schwacher bis dämlicher Handlung und unglaubwürdigen Figuren.

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