Britta Bolt – Das Büro der einsamen Toten

Im „Büro der einsamen Toten“ – genaugenommen das Amt für Katstrophenschutz und Bestattungen ist der Arbeitsplatz von Pieter Posthumus, der sich um nicht identifizierte oder vergessene Tote kümmert, die auf Kosten der Stadt Amsterdam bestattet werden. Ihm sind sie nicht egal und so forscht er stets ein wenig mehr nach als erforderlich wäre. So stößt er auf den Fall eines Marokkaners, der scheinbar ertrunken ist. Nur entfernte Angehörige hat er in der niederländischen Hauptstadt und seine zahlreichen Reisen nach Brüssel werfen Fragen auf. Auch die Tatsache, dass Posthumus bei der Wohnungsbesichtigung des Toten mit einem Taser überfallen wird, schreckt ihn nicht von weiteren Nachforschungen ab, sondern beflügelt seine Neugier. Doch er ahnt nicht, auf welche Abgründe er hier trifft und wie schnell er in einen hochaktuellen Fall gerät.
Der Auftakt einer interessanten Krimireihe, die etwas aus dem Rahmen fällt. Amsterdam als Handlungsort wirkt erfrischend neu bei all den Büchermarkt überflutenden Skandinavien- und Regionalkrimis bzw. den Klassikern aus London und den USA. Vor allem der Ton fällt hier besonders positiv auf, denn es fehlt die künstliche Hochspannung, dramatische Cliffhanger am Kapitelende und drastische Beschreibungen wüster Tatorte. Stattdessen herrscht eine leicht gediegene, aber sehr angenehme Erzählstimme, die einem Vergessen lässt, dass man im Krimi ist und stattdessen die Figuren nicht nur als Krimierfüller, sondern als Charaktere erscheinen lässt.
Der Protagonist Pieter Posthumus kann den Roman tragen. Sympathisch, nicht übermächtig, menschlich und mitfühlend nähert er sich dem Fall – tatsächlich ohne ihn klassisch aufzudecken. Die Nebenfiguren – seine Nichte Merele wie auch die Kollegen und privaten Freunde – bilden eine schöne Ergänzung und erscheinen ebenfalls glaubwürdig und authentisch. Der Fall selbst nähert sich in verschiedenen Handlungssträngen, die erst langsam ihren Zusammenhang entschleiern und zunehmend an Brisanz aufbauen. Für mich realitätsnah, aktuell und glaubwürdig.

Fazit: eine angenehme Abwechslung im Krimigenre, die auf weitere Bände hoffen lässt.
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