Paula Hawkins – The girl on the Train

Jeden Tag im Zug beobachtet Rachel eine recht biedere Wohngegend und überlegt, wer wohl die Menschen sind, sie dort leben. Sie selbst wohnte dort ebenfalls einmal, in einem anderen Leben, vor der Scheidung und bevor sie angefangen hat zu trinken. Sie fährt eigentlich auch gar nicht zur Arbeit, denn ihren Job hat sie schon vor langer Zeit verloren, doch das mag sie gegenüber ihrer Mitbewohnerin nicht zugeben und hält daher den Schein aufrecht. Doch eines Morgens bekommt eine der Fassaden einen Riss, als sie eine der Bewohnerinnen einen anderen Mann küssen sieht. Es kommt jedoch noch schlimmer: genau diese Frau, Megan, wird kurz danach vermisst und dann ermordet aufgefunden. Was ist geschehen? Für Rachel tut sich ein Abgrund auf, denn sie war am Tatabend vor Ort, um ihren Exmann, der immer noch dort wohnt, zu sehen. Doch sie war so betrunken, dass sie sich an nichts erinnern kann. Kurze Erinnerungen schleichen sich ein, doch sie bekommt sie nicht in ein vertrauenswürdiges Bild. Auch die Polizei will ihr keinen Glauben schenken, obwohl sie diesen anderen Mann auch ganz sicher gesehen hatte. Daher wendet sie sich an den trauernden Ehemann und setzt damit weitere Ereignisse in Gang.
Der Roman ist geschickt konstruiert, da er auf verschiedenen Zeitebenen spielt und unterschiedliche Perspektiven anbietet. Es sind die Frauen, Rachel als Beobachterin, Megan, das Opfer, und Anna, die neue Frau von Rachels Ex, die die Ereignisse aus ihrer jeweiligen Position schildern. Rachel als Alkoholiker, Megan mit offenkundigen psychischen Problemen und Anna als unsympathische und rücksichtslose „Neue“ bieten dabei alle drei keine vertrauenswürdige Berichterstattung an, so dass man hin und her gerissen ist zwischen Glauben und Zweifel, was der Spannung ausgesprochen zuträglich ist. Insbesondere die Figur der Rachel ist glaubwürdig und facettenreich gezeichnet, wie sie als Alkoholikerin kämpft für ihr Leben, gegen die Abhängigkeit, versucht, eine Normalität und Schein aufrechtzuerhalten und doch immer wieder scheitert. Der Mordfall wird ebenfalls in sich logisch erklärt und nachvollziehbar aufgelöst.

Fazit: Für mich ist es kein Thriller wie im Klappentext angeführt, denn dafür fehlt mir die psychologische Spannung. Aber ein sehr überzeugender und unterhaltsamer Krimi ist es allemal.
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