Nathanael West – Miss Lonelyhearts

Miss Lonelyhearts – ein Mann – schreibt eine Zeitungskolumne, in der er auf Leserbriefe antwortet und mehr oder weniger nützliche Tipps gibt. Leider sind diese Briefe unsäglich dämlich und voller Fehler, so dass er seinen Job mehr und mehr hasst. Von den Kollegen wird er ohnehin eher verspottet. Er trinkt zunehmend und gerät dabei auch in die eine oder andere Kneipenauseinandersetzung. Er macht sich an Frauen ran – auch die seines Chefs – und wird so auch nicht glücklicher. Auch die Religion bietet ihm keinen Halt. Eine seiner Leserinnen kann ihn ausfindig machen und eine kurze Affäre wird schließlich Miss Lonelyhearts Schicksal.

Auch wenn diese Novelle überschüttet wird mit Lob ob ihres scharfsinnigen Sprachwitzes und der ironischen Zeichnung der amerikanischen Gesellschaft der 1920er Jahre, blieb sie für mich doch flach und unnahbar. Natürlich wird die Massenunterhaltung kritisiert und der Protagonist sucht vergeblich nach dem Sinn des Lebens, den er in den üblichen verdächtigen Wegen (schnelle/kurze Beziehungen, Alkohol, Religion etc.) nicht findet. Für mich jedoch gibt es mit Werken von Wharton oder Fitzgerald deutlich bessere Gemälde der damaligen Zeit. Der nicht erfüllte amerikanische Traum – doch hat Miss Lonelyhearts wirklich die erforderliche diligence und hard work gezeigt? Für mich nicht. Planlos und ziellos vegetiert er so vor sich hin, mal betrunken, mal in Depression versunken. Aktiv gestaltet er nichts in seinem Leben, sondern lässt es immer wieder von Betty, seiner Arbeitskollegin, geraderücken. Ein Protagonist, der das Buch tragen muss und leider in jeder Hinsicht schwach ist.
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