Philip Roth – American Pastoral

Der amerikanische Traum, der in der Katastrophe endet. Die jüdischen Einwanderer, die die Sprache nicht beherrschen, aber ein Unternehmen für Handschuhe gründen. Die erste Generation, die den Erfolg fortführt. Die zweite Generation, schon voll amerikanisiert: die beiden Söhne, Seymore Levov, genannt Swede, erfolgreicher Sportstar der Schule und gewillt dem Land im 2. Weltkrieg seine Dienste zu erteilen, der andere, der erfolgreicher Arzt wird. Swede, der eine gekrönte Schönheitskönigin heiratet, das Geschäft der Eltern ausbaut und dann ein bezauberndes Töchterchen bekommt. Doch die hübsche Fassade bekommt Risse, denn Merry ist nicht das Wunderkind zweier bewunderter Eltern. Sie stottert und geht über Jahre zu Therapie. Doch es wird noch schlimmer. Als Teenager nimmt sie immer weiter zu und verrennt sich in politische Extreme bis zu diesem unheilvollen Tag, der die ganze Familie ins Elend stürzt: im Protest gegen den Vietnam-Krieg zündet sie eine Bombe, bei der ein Mensch ums Leben kommt und flieht fortan in den Untergrund.
Was wie eine spannende Familiengeschichte klingt, wird leider – und völlig ungewohnt für Roth – in eine langatmige, sich immer und immer wieder im Kreis drehende Tour de Farce. Zeitsprünge und die nie beantwortete Fragen danach, wer Schuld hat an Merrys Tat, ob das oder das, was danach kam, hätte verhindern können. Natürlich wird so die Verzweiflung des Vaters offenkundig, aber es ist für den Leser bisweilen unerträglich. Endlose Abschweifungen in alles Mögliche, dazu ein endlos langes Vorgeplänkel, bevor er überhaupt zur eigentlichen Story kommt – eine sehr anstrengende Lektüre.

Fazit: die Geschichte toll, auch der Erzählstil, aber die Umsetzung kann nicht überzeugen.
Advertisements