Teri Terry – Slated (Gelöscht)

Kayla startet in ein neues Leben. Eine neue Familie, eine neue Umgebung. Alles ist anders und unbekannt. Wie ein kleines Kind muss sie erst lernen, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Ihr Leben davor ist weg, ausgelöscht. Man hat sie geslated und ihr so die Chance auf ein neues Leben eröffnet. Mit ihrer Schwester Amy hat sie kompetente Unterstützung, denn sie hat dasselbe durchgemacht. Die Eltern sind nett, wenn auch die Mutter zunächst eher an einen Drachen erinnert. Es könnte alles gut werden, vor allem nachdem sich Kayla mit Ben anfreundet. Doch immer wieder treten Erinnerungen, die sie nicht haben dürfte, an ihr altes Ich an die Oberfläche und das clevere Mädchen stellt Fragen. Zu viel Fragen, die sie selbst und andere in Gefahr bringen. Unerwartet bekommt sie Hilfe von ihrer Mutter – denn diese hat auch Zweifel an diesem Staat, in dem sich niemand frei bewegen kann und Menschen wie Kayla regelrecht gefangen gehalten werden.
Ein Jugendroman in Dystopieform mit einem Überwachungsstaat, der ein scheinbar effektives Mittel gegen Terroristen gefunden hat und das Maximum an medizinischer Kenntnis für seine Zwecke nutzt. Das ganze gepaart mit einer durchaus sympathischen Protagonistin, leicht rebellisch, aber nicht zu sehr, und einer Liebesgeschichte, die nicht zu weit geht. Das Thema durchaus ernst zu nehmen und relevant.
Die Zeichnung der Figuren ist gelungen, die sind nicht zu flach, die Kayla kann als Protagonistin den Roman locker tragen, mit der Mutter wurde ein interessanter Charakter daneben gestellt, der noch Potential hat und nicht zu viel verrät. Der Schreibstil überzeugend und mitreißend, so dass man durchaus Lust auf die folgenden Teile hat.
Alles in allem: überzeugender und spannender YA Roman.

Advertisements

Philip Roth – American Pastoral

Der amerikanische Traum, der in der Katastrophe endet. Die jüdischen Einwanderer, die die Sprache nicht beherrschen, aber ein Unternehmen für Handschuhe gründen. Die erste Generation, die den Erfolg fortführt. Die zweite Generation, schon voll amerikanisiert: die beiden Söhne, Seymore Levov, genannt Swede, erfolgreicher Sportstar der Schule und gewillt dem Land im 2. Weltkrieg seine Dienste zu erteilen, der andere, der erfolgreicher Arzt wird. Swede, der eine gekrönte Schönheitskönigin heiratet, das Geschäft der Eltern ausbaut und dann ein bezauberndes Töchterchen bekommt. Doch die hübsche Fassade bekommt Risse, denn Merry ist nicht das Wunderkind zweier bewunderter Eltern. Sie stottert und geht über Jahre zu Therapie. Doch es wird noch schlimmer. Als Teenager nimmt sie immer weiter zu und verrennt sich in politische Extreme bis zu diesem unheilvollen Tag, der die ganze Familie ins Elend stürzt: im Protest gegen den Vietnam-Krieg zündet sie eine Bombe, bei der ein Mensch ums Leben kommt und flieht fortan in den Untergrund.
Was wie eine spannende Familiengeschichte klingt, wird leider – und völlig ungewohnt für Roth – in eine langatmige, sich immer und immer wieder im Kreis drehende Tour de Farce. Zeitsprünge und die nie beantwortete Fragen danach, wer Schuld hat an Merrys Tat, ob das oder das, was danach kam, hätte verhindern können. Natürlich wird so die Verzweiflung des Vaters offenkundig, aber es ist für den Leser bisweilen unerträglich. Endlose Abschweifungen in alles Mögliche, dazu ein endlos langes Vorgeplänkel, bevor er überhaupt zur eigentlichen Story kommt – eine sehr anstrengende Lektüre.

Fazit: die Geschichte toll, auch der Erzählstil, aber die Umsetzung kann nicht überzeugen.