Wolfgang Herrndorf – Bilder deiner großen Liebe

Das Mädchen steht im Hof der nicht näher charakterisierten Anstalt. Ein LKW, eine Chance. Und weg ist sie. Zu Fuß und ohne Schuhe wandert sie los. Durch Dörfer, über Wiesen, durch Wälder. Isa begegnet Menschen, die ihr helfen, etwas zu essen und frische Kleidung geben, die sie an die Polizei melden wollen, die ihre Wunden pflegen. Sie begleitet einen Binnenschiffer, einen LKW Fahrer, findet eine Leiche. Und sie trifft natürlich auf Maik und Tschick – daher kennen wir die 14-jährige ja schon.
Ich hatte mir ein wenig mehr von Isa erhofft. Dass sie irgendwie anders ist, war ja aus „Tschick“ schon deutlich hervorgegangen, aber hier hat sie doch eher naive als gestörte Gedanken und beobachtet ihre Welt sogar eher mit einer sehr aufmerksamen Cleverness, die ihr das Herumstreunen überhaupt erst möglich macht. Kleine Episoden, Begegnungen, kurze Dialoge reihen sich aneinander, sind unterhaltsam und bisweilen witzig oder traurig, aber es bleibt letztlich zu wenig hängen, um einen dauerhaften Eindruck zu hinterlassen. Es ist ein kurzes Begleiten des Mädchens, das sich in dieser Zeit weder verändert noch sonst für sie wesentliche Erfahrungen macht, die sich auch dem Leser einprägen würden.

Der Titel indes ist sehr passend gewählt. Wie im Museum sieht man kurze Ausschnitt und geht dann vorüber.
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