Judith W. Taschler – Die Deutschlehrerin

Ein Projekt führt den erfolgreichen Jugendbuchautor Xaver in die Schule seiner ehemaligen Lebensgefährtin Mathilda. Die Trennung war schmerzhaft, die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit sind bisweilen völlig verschieden und gemeinsam nähern sie sich zunächst  per E-Mail und in Geschichten an eine gemeinsame Vergangenheit. Doch wessen Erinnerung entspricht der Wahrheit und welche Geschichte bleibt eine Erfindung? Wieso haben sie nie eine Familie gegründet und wer war der Kopf hinter den Erfolgsbüchern? Doch die größte Frage: was geschah mit Xavers Sohn, der vor vielen Jahren spurlos verschwunden ist? Ist die Geschichte einer verlassenen Frau, die sich so an ihrem Ex rächt nur eine erfundene Story?

Das Buch besticht zunächst durch die Erzählweise, die das aktuelle  Wiedersehen bzw. die erneute Kontaktaufnahme, die zunächst einem purem Zufall geschuldet zu sein scheint, durch Erzählungen in der Vergangenheit, seitens Xavers und Mathildas, die Geschichte ihrer Familien, die sie in Erzählungen verarbeiten, mosaikförmig zusammenführt. Trotz der unterschiedlichen  Erzählebenen und Erzählzeiten wird doch immer klarer, wie die beiden an diesem Punkt ankommen konnten. Besonders gelungen die Erzählung oder besser die Varianten der Erzählung um den verschwundenen Sohn, für den gleich mehrere Erklärungen angeboten werden und man nicht weiß, wer bzw. ob einer der beiden Protagonisten Schuld trägt. Das gemeinsame  Erzählen und Erfinden verbindet Mathilda und Xaver und bindet den Leser mit ein.

Eine Liebesgeschichte, die völlig untypisch ist und zwischen tiefer Zuneigung und der Schwierigkeit gemeinsam zu sein hin und herpendelt.  Wer zuckersüß noch tragisch, sondern einfach ehrlich.
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