Sarah Crossan – The Weight of Water

Die 12-jährige Kasienka muss ihre polnische  Heimat verlassen und reist mit ihrer Mutter nach England. Dorthin scheint ihr Vater geflüchtet und die Mutter will ihn finden. Der Start im neuen unbekannten Land ist nicht einfach. In nur einem Zimmer sitzt das Mädchen mit der Mutter und in der Schule ist sie die Außenseiterin, die noch dazu eine Klasse zurückgestuft wird. Einzig beim Schwimmen kann sie sie selbst sein und die Welt um sich herum vergessen. Die Gemeinheiten der Mädchen, die Traurigkeit der Mutter, die ärmlichen Umstände ihres Lebens in der Fremde machen ihr zu schaffen. Aber es besteht Hoffnung, sie findet den Vater und dessen neue Familie, sie wird ins Schwimmteam der Schule aufgenommen aufgenommen und dann ist da noch William, mit dem sie ihre erste Liebe erleben darf. Aber das neue Glück wird anders sein, als ursprünglich erwartet.

Das komplizierte Leben eines Mädchens in der Fremde, wo die Sprache nicht die Ausdrucksmöglichkeiten bietet, die Erwartungen der Eltern andere sind als das, was in der neuen Heimat gelebt wird. Die Brutalität des Teenagerdaseins, des Nichtdazugehörens und Außenseiterseins und die Schwierigkeit zu erkennen, weshalb man scheinbar so anders und falsch ist. Tröstlich, dass Kasienka mit dem Schwimmen einen Halt findet, der ihr Orientierung und Trost spendet und den Weg zu einem neuen Ist als Kasienka eröffnet.

Sarah Crossan trifft die Sprache Jugendlicher und ihre Protagonistin bietet sicher auch einiges an Identifikationspotenzial, da sie unaufgeregt erzählt, sich wundert und selbst viel Projektionsfläche für weitere Gedanken liefert. Verwunderlich der Druck, denn die Geschichte kommt optisch in Versform und nicht in Prosa daher, was doch eher ungewöhnlich ist.

Andreas Eschbach – Der Nobelpreis

Das ehrwürdige Komitee muss einmal mehr über die Vergabe der Preise entscheiden. Doch es gibt Manipulationen und Bestechungsversuche. Hans-Olof Andersson bleibt standhaft und lehnt das gebotene Geld ab. Er ist geradezu empört über diese verachtungswürdigen Vorgänge. Doch als man seine Tochter Kristina entführt, muss er sich beugen, um das Leben des Mädchens nicht zu gefährden. Was kann er tun, um sein einziges Kind aus den Händen der Entführer zu retten? Sein Schwager Gunnar fällt ihm ein, ein Verbrecher, der im Gefängnis sitzt und immer beste Kontakte in die Unterwelt hatte. Es gingt ihn, ihn in Freiheit zu bekommen und beide machen sich auf, das Mädchen zu befreien und die Entführer zu stellen. Dass der Radius der Verbrecher größer ist als geahnt, zeichnet sich mehr und mehr ab.

Das Buch beginnt ungemein spannend, wie ich finde. Die Umstände der Preisvergabe werden geschildert und der etwas biedere und integere Professor Hans-Olof gerät ins Zentrum. Doch dann kommt es zum Bruch in der Handlung und der Schwager Gunnar Forsberg wird zum Ich-Erzähler. Nun ist die Welt der Wissenschaft ausgetauscht durch die schwedische Unterwelt, die der Betrüger und Verbrecher, was sich in jeder Zeile bemerkbar macht. Dies ist durchaus gelungen, spricht mich aber in keiner Weise an. Dramaturgisch nachvollziehbar, für den Handlungsverlauf auch erforderlich, doch für mich als Leser und den Erwartungen etwas enttäuschend. Gunnar ist bemüht und setzt alles daran, das Mädchen zu finden, aber er ist kein Sympathieträger und ging mir in seiner Art ziemlich auf die Nerven. Eine geschickte Wendung am Ende kann zwar einiges retten, da es zu einer verblüffenden Auflösung kommt, doch letztlich blieb ich enttäuscht, da das Buch so gar nicht das liefert, was es versprochen hatte und der Titel letztlich völlig irreführend gewählt ist.

Judith W. Taschler – Die Deutschlehrerin

Ein Projekt führt den erfolgreichen Jugendbuchautor Xaver in die Schule seiner ehemaligen Lebensgefährtin Mathilda. Die Trennung war schmerzhaft, die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit sind bisweilen völlig verschieden und gemeinsam nähern sie sich zunächst  per E-Mail und in Geschichten an eine gemeinsame Vergangenheit. Doch wessen Erinnerung entspricht der Wahrheit und welche Geschichte bleibt eine Erfindung? Wieso haben sie nie eine Familie gegründet und wer war der Kopf hinter den Erfolgsbüchern? Doch die größte Frage: was geschah mit Xavers Sohn, der vor vielen Jahren spurlos verschwunden ist? Ist die Geschichte einer verlassenen Frau, die sich so an ihrem Ex rächt nur eine erfundene Story?

Das Buch besticht zunächst durch die Erzählweise, die das aktuelle  Wiedersehen bzw. die erneute Kontaktaufnahme, die zunächst einem purem Zufall geschuldet zu sein scheint, durch Erzählungen in der Vergangenheit, seitens Xavers und Mathildas, die Geschichte ihrer Familien, die sie in Erzählungen verarbeiten, mosaikförmig zusammenführt. Trotz der unterschiedlichen  Erzählebenen und Erzählzeiten wird doch immer klarer, wie die beiden an diesem Punkt ankommen konnten. Besonders gelungen die Erzählung oder besser die Varianten der Erzählung um den verschwundenen Sohn, für den gleich mehrere Erklärungen angeboten werden und man nicht weiß, wer bzw. ob einer der beiden Protagonisten Schuld trägt. Das gemeinsame  Erzählen und Erfinden verbindet Mathilda und Xaver und bindet den Leser mit ein.

Eine Liebesgeschichte, die völlig untypisch ist und zwischen tiefer Zuneigung und der Schwierigkeit gemeinsam zu sein hin und herpendelt.  Wer zuckersüß noch tragisch, sondern einfach ehrlich.