Diane Brasseur – Der Preis der Treue

Nur wenige Stunden vor dem Aufbruch zum Familienurlaub in New York, führt der Ich-Erzähler sich sein Leben vor Augen, wobei es eigentlich eher zwei Leben sind: eins mit seiner Frau, seiner Tochter und dem schwerkranken Vater in Marseille, bei denen er nur die Wochenenden verbringen kann. Und das andere in Paris, bei seiner Geliebten Alix, die mehr als 20 Jahre jünger ein ganz anderes Leben lebt. Er lässt Revue passieren, wie alles anfing. Vergleicht die sehr verschiedenen Frauen und ihre Lebensweisen. Stellt fest, wie er selbst ein ganz anderer Mensch ist, je nachdem bei welcher Frau er sich gerade befindet. Und erkennt, dass er beide auf ihre Weise liebt und auf keine verzichten kann – und beiden auf ganz unterschiedliche Weise treu ist.
Eine durchaus interessante Perspektive, auch manch ganz aufschlussreiche Sichtweise – letztlich aber ein recht banaler Versuch das Dauerfremdgehen zu legitimieren und schönzureden. Manche Passagen, gerade wenn er die Details beschreibt, sind ansprechend, aber die Grundhaltung geht einem als Leserin doch arg auf die Nerven. Fast kommt er sich als Opfer der Umstände vor, das leider daran auch nichts ändern kann. Besonders aufschlussreich hierzu die Passage, wenn er sich vorstellt, dass seine eigene Tochter an der Stelle von Alix wäre und vergeblich auf einen verheirateten Mann warten würde.

Fazit: ein kurzes Büchlein, das letztlich eher belanglos bleibt. Notiz am Rande: überraschend die Verdrehung im Titel, spricht die französische Ausgabe von „Untreue“, spricht die deutsche von „Treue“.
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