Diane Brasseur – Der Preis der Treue

Nur wenige Stunden vor dem Aufbruch zum Familienurlaub in New York, führt der Ich-Erzähler sich sein Leben vor Augen, wobei es eigentlich eher zwei Leben sind: eins mit seiner Frau, seiner Tochter und dem schwerkranken Vater in Marseille, bei denen er nur die Wochenenden verbringen kann. Und das andere in Paris, bei seiner Geliebten Alix, die mehr als 20 Jahre jünger ein ganz anderes Leben lebt. Er lässt Revue passieren, wie alles anfing. Vergleicht die sehr verschiedenen Frauen und ihre Lebensweisen. Stellt fest, wie er selbst ein ganz anderer Mensch ist, je nachdem bei welcher Frau er sich gerade befindet. Und erkennt, dass er beide auf ihre Weise liebt und auf keine verzichten kann – und beiden auf ganz unterschiedliche Weise treu ist.
Eine durchaus interessante Perspektive, auch manch ganz aufschlussreiche Sichtweise – letztlich aber ein recht banaler Versuch das Dauerfremdgehen zu legitimieren und schönzureden. Manche Passagen, gerade wenn er die Details beschreibt, sind ansprechend, aber die Grundhaltung geht einem als Leserin doch arg auf die Nerven. Fast kommt er sich als Opfer der Umstände vor, das leider daran auch nichts ändern kann. Besonders aufschlussreich hierzu die Passage, wenn er sich vorstellt, dass seine eigene Tochter an der Stelle von Alix wäre und vergeblich auf einen verheirateten Mann warten würde.

Fazit: ein kurzes Büchlein, das letztlich eher belanglos bleibt. Notiz am Rande: überraschend die Verdrehung im Titel, spricht die französische Ausgabe von „Untreue“, spricht die deutsche von „Treue“.

James Patterson – 14th Deadly Sin

Der Women’s Murder Club ist zurück. Dieses Mal hat Lindsay es mit Verbrechern aus den eigenen Reihen zu tun. Ein Team von Polizisten des SFPD überfällt mehrere Läden und tötet dabei auch angestellt. Die vermeintlichen Cops sind gut vorbereitet und Profis, dank Masken und Handschuhen ist eine Identifizierung trotz Überwachungskameras nicht möglich. Auch im Drogenmilieu kommt es zu einer aufsehenerregenden Schießerei, bei der gleich mehrere hohe Dealer getötet werden. Unterdessen quittiert Yuki ihren Job beim Staat, um für eine NGO den Fall eines Jungen zu übernehmen, der offenbar zu einem falschen Geständnis genötigt wurde – trotz eines IQs von 70 Punkten soll er im Alleingang für das Massaker an den Dealern verantwortlich sein.
Wie immer kann Patterson durch die kurzen Kapitel ein rasantes Tempo aufbauen, dass die Handlung nur so dahin rasen lässt. Allerdings leidet dieses Mal ein wenig die Logik an manchen Stellen und bisweilen zieht die Entwicklung des Plots sich schwer dahin. Auch treten nur Yuki und Lindsay dieses Mal wirklich in Erscheinung, was die anderen beiden Mitglieder des WMC fast ganz verschwinden lässt.
Fazit: der Schreibstil wie immer überzeugend, die Handlung dieses Mal mit einigen Schwächen, aber insgesamt erwartungsgemäße amerikanische Action.