Penelope Fitzgerald – The Bookshop

Ende der 50er Jahre traut sich die Witwe Florence in einem Dorf in East Anglia eine Buchhandlung zu eröffnen. Weder hat sie eine Ahnung davon, wie man ein Geschäft führt, noch kann sie Bücher beurteilen oder einschätzen, aber das hält sie nicht von ihrem Vorhaben ab. Sie kauft ein altes, schon seit ewigen Zeiten leer stehendes Haus und eröffnet ihren Laden. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, bekommt der Laden langsam Auftrieb und als sie Nabokovs „Lolita“ anbietet, führt die nachfragen zu größeren Behinderungen im Ort. Womit sie jedoch nicht gerechnet hat, ist der heimliche Widerstand im Ort. Violet Gamart setzt alles daran, den Laden wieder zu schließen und mit Geduld und allen zur Verfügung stehenden Mitteln, kann sie ihr Ziel schließlich auch umsetzen.

Ein kurzes Buch mit tiefen Einblicken in die britische Kleinbürgerlichkeit der 50er Jahre. Engstirnigkeit, Seilschaften, alte Rechnungen – das ganz normale Leben wird um diese kleine Buchhandlung herum erschaffen und wirkt glaubwürdig und authentisch. Für die Protagonistin hätte ich mir mehr Verve gewünscht – aber zur Entstehungszeit in den 70er Jahren war dies vielleicht nicht so sehr Mode oder hätte auch nicht in die Zeit der Handlung gepasst. So bleibt Florence für mich leider etwas enttäuschend im Kampf für ihren Traum.

Ellen Berg – Du mich auch

25-jähriges Abiturtreffen. Die ehemals besten Freundinnen Eva, Beatrice und Katharina sehen sich zum ersten mal wieder. ihre Lebensverläufe könnten kaum unterschiedlicher sein. Beatrice hat einen erfolgreichen Marketingjob, Katharina ist aufstrebende Politikerin und Eva brave Hausfrau und Mutter. Nach kurzer Zeit ist der Bann gebrochen und das alte Trio infernale wieder vereint. Schnell bröckelt auch die Fassade und darunter kommen die alltäglichen Sorgen zum Vorschein. Sie beschließen nicht länger alles hinzunehmen und vor allem Rache zu üben – an ihren Männern und Vorgesetzten.

Ein Roman der Kategorie „freche Frauen“, der alle Klischees bedient und dadurch unsäglich dämlich wird. Die biedere Hausfrau, die sich 20 Jahre hinter Herd verkrochen hat, ist im Handumdrehen der verführerische Vamp, der alle Männer um den Finger wickelt und selbstverständlich komplizierteste Bankgeschäfte locker abwickeln kann. Dazu dann die aus schlechten Frauenzeitschriften bekannten Mantras: wer Größe 36 trägt muss verbiestert hungern und isst nicht mehr als ein Blatt Salat am Tag, nur Frauen mit Übergewicht sind wirklich tolle Frauen, auf die die Männer stehen – es ist streckenweise kaum zu ertragen. Da kann auch ein gelegentlich gelungener Wortwitz nicht hinwegtäuschen. Die Handlung strotzt nur so vor Absurdität, die ich leider gar nicht komisch finden konnte und ist bisweilen grenzwertig – Menschen vorsätzlich zu vergiften und das auch noch irre komisch zu finden, spricht mich einfach nicht an.