Nathan Filer – Nachruf auf den Mond

Matthew Homes befindet sich in der Psychiatrie. Da er schon immer gerne Geschichten erzählte, berichtet er dem Leser, weshalb er dort ist und was in seinem Leben geschah. Leicht war schon seine Kindheit nicht, denn sein drei Jahre älterer Bruder Simon war mit Trisomie 21 geboren und er – obwohl jünger – musste oft für beide aufpassen. Bis eines Sommers ein Unglück geschah und Simon ums Leben kam. Danach geht es stetig bergab. Zunächst geht er nicht mehr zur Schule, dann kommen Drogen und immer mehr Wahnvorstellungen. Seine Medikamente nimmt er nicht regelmäßig, weshalb auf Spritzen umgestellt wird. Auch davor flüchtet er sich in eine fremde, bedrohliche Welt, in der er für den Tod des kleinen Simon die Verantwortung trägt.

Ein diskontinuierlicher Roman, der durch seine unchronologische und nicht stringente Erzählweise den Geistes- und Gefühlszustand des Erzählers glaubwürdig untermalt. Die Schuld, die er glaubt zu tragen und die ihn überfordert und in diese Parallelwelt zwingt, das Leben in der Psychiatrie und die Auswirkungen der Krankheit und Medikamente lassen einem als Leser etwas verzweifelt zurück, da man merkt, wie hilflos Außenstehende in dieser Situation sind und wie wenig man Zugang zu dieser andere Seite des Geistes hat. Durch die direkte Anrede wird man umso mehr in die Geschichte gezogen, die bedrückt und bekümmert. 
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