Jean-Philippe Blondel – Un hiver à Paris

Victor hat es geschafft, er wurde zur Khâgne zugelassen, obwohl sein Elternhaus wenig literarisch ist und seine provinzielle Herkunft ebenfalls nicht für den Erfolg spricht. Das erste Jahr ist hart, außer Lernen kommt er zu wenig, die Hauptstadt sieht er gar nicht und zu seinen Mitschülern hat er ebenfalls quasi keinen Kontakt. Nur wenige kommen durch und werden zum zweiten Jahr zugelassen, doch Victor belegt den 12. und letzten Zulassungsplatz. In dem jungen Mathieu, der im neuen Jahr das Studium aufnimmt, erkennt er sich selbst. Langsam knüpfen die Jungen erste Freundschaftsbande in dieser hochkonkurrenzbehafteten Umgebung. Doch dann geschieht das Unfassbare: Mathieu flieht aus dem Unterricht und stürzt sich das Treppenhaus hinunter. Die Studenten und Dozenten bleiben schockerstarrt zurück.
Ein bedrückendes Buch, dass den unglaublichen Druck, dem die Studenten der classes prépa ausgesetzt sind hervorragend literarisch darstellt. Vor allem der Protagonist Victor trägt die Handlung mit seinen Selbstzweifeln, der Frage, ob er dazugehört oder sich etwas vormacht, ob sein Elternhaus „passend“ ist. Auch der Schein, der anderen, der sich zumindest teilweise lüftet. Die Frage nach der Schuld steht im Raum ohne eine Antwort zu finden, die Trauer der Eltern – insbesondere des Vaters – ist groß und überwältigend. „Un hiver à Paris“, der für Victor vieles verändert, alles aber doch beim Alten bleibt.

Fazit: keine leichte Kost, aber literarisch absolut überzeugend.
Advertisements