Emily Lockhart – We were liars

Cadence Sinclair, Spross einer reichen nordamerikanischen Familie leidet seit einem Unfall an selektiver Amnesie. Was geschah in den Wochen vor dem unheilsbringenden Tag, an dem man sie aus dem Meer zog? Zwei Jahre  vergehen, bis sie wieder auf die Insel der Familie fährt, wo sie immer mit ihren Cousins die Sommer verbrachte und der Zwischenfall sich ereignete. Sie hofft darauf, dass endlich die Familie das Schweigen bricht und sie sich an die Ereignisse erinnern kann. Die Cousins Mirren, Johnny und Gat bleiben jedoch verschlossen, man verheimlicht ihr etwas. Nach und nach kehrt die Erinnerung zurück, wie ein Mosaik setzt sich das grauenhafte Bild zusammen.
„We were liars“ ist ein ungewöhnliches Jugendbuch, das bis zum Ende die Spannung immer höher treibt. Die Figur der Cadence und ihrer Familie ist vielschichtig gezeichnet, sie wirkt glaubwürdig und authentisch. Die zerrütteten Verhältnisse, der Kampf um das Erbe, der schöne Schein, der nach außen gewahrt werden muss – all das ergibt ein komplexes Bild der Oberschicht, die den Luxus gewöhnt ist und ihren Status sichern möchte. Die Ereignisse des Unfalls werden geschickt mit den aktuellen Geschehnissen verwoben und lassen lange kein klares Bild entstehen, was die Neugier auf die Auflösung steigert. 
Der Schreibstil ist für die Erzählweise eines Mädchens von 17 Jahren überzeugend, die Perspektive trägt dazu bei, dass man mit der Protagonistin leidet und fast verzweifelt darüber ist, dass alle etwas verheimlichen. Das macht das Einfühlen in den Charakter einfach und lässt sie eine tragfähige tragische Figur werden.
Fazit: ein überzeugendes Jugendbuch mit unerwartet viel Spannung.

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