Maj Sjöwall – Martin Beck: Murder at the Savoy

Das hochklassische Savoy Hotel in Malmö ist der Schauplatz eines heimtückischen Mordes: Der Tycoon Viktor Palmgren wird mit einem einzigen Schuss niedergestreckt und der Schütze flüchtet unerkannt durch ein Fenster. Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen Palmgrens ermittelt nicht die örtliche Polizei, sondern Martin Beck wird aus Stockholm in die Provinz beordert, um den Fall diskret zu klären. Schnell stellt sich heraus, dass unzählige Menschen im Umfeld des Unternehmers gute Motive gehabt hätten, diesen zu ermorden. Die Zeugenaussagen sind diffus und wenig brauchbar. Der Druck auf die Ermittler wächst zunehmend.
Die Martin Beck Serie gilt als Vorläufer der heute so populären Skandinavienkrimis und  ist trotz der inzwischen über 40 Jahre keineswegs veraltet. Maj Sjöwall und Per Wahlöö fangen die unverwechselbare schwedische Stimmung ein – wenn auch dieses Mal in heißem Sommer. Der Fall ist knifflig, die üblichen Verdächtigen tauchen auf und ab und Martin Beck gelingt einmal mehr eine saubere Lösung.

Solide Krimiunterhaltung mit sympathischen Figuren, einem kniffligen Fall und glaubwürdiger Lösung.
Advertisements

Boris Pasternak – Dorktor Schiwago

Jurij Schiwago wächst nach dem Tod des Vaters als Weise  auf. obwohl ihn die Dichtkunst interessiert, entschließt er sich doch für das Studium der Medizin. Tonja, die Tochter seiner Pflegeeltern ist seine stete Begleiterin und wird seine Frau. Doch die Zeiten sind hart und bald schon wird Jurij in den Krieg geschickt. Dort lernt er die Krankenschwester Lara kennen, der er bereits früher einmal begegnete. Nach der Rückkehr in die Heimat kreuzen sich ihre Wege erneut, dieses Mal auf dem Land, wohin sich immer mehr Menschen vor der Armut in Moskau flüchten. Der Bürgerkrieg verhindert eine Entscheidung für eine der Frauen – Jurij wird entführt und kehrt erst Jahre später zurück. Tonja konnte mit den Kindern nach Frankreich flüchten, Lara und er finden endlich zueinander. Doch das Glück ist ihnen nicht vergönnt und Schiwago findet keinen Frieden mehr.
Ein Meisterwerk der russischen Literatur. Wirklich begeistern konnte mich die poetische Sprache, die ich keineswegs in dieser Form erwartet hatte, hier hatte der Übersetzer ein sehr glückliches Händchen. Pasternak spiegelt die Lage Russlands an seinem Schiwago, die chaotischen, undurchsichtigen Jahre im Taumel, die auch der Arzt hin- und hergerissen, jedoch immer unzufrieden und an der Grenze der seelischen und körperlichen Fähigkeiten verbringt. Wie auch andere russische Literaten und wie bei dieser Länge nicht anders zu erwarten, hat das Buch bisweilen Längen, vor allem der Schluss, nach dem Abschied von Lara zieht sich dann doch arg – für mich war die Geschichte hier bereits erzählt.

Was ich mir von der Fischerausgabe noch gewünscht hätte, wären Annotationen gewesen und vielleicht eine Karte, um die Örtlichkeiten etwas besser einschätzen zu können. Für die Handlung ist dies zwar nicht weiter relevant zum Verständnis, wäre aber hilfreicher gewesen als die Daten zu Pasternaks Leben.

Dror Mishani – The Missing File

Der 16-jährige Ofer verschwindet in Tel Aviv spurlos. Die Mutter erstattet Anzeige, doch Kommissar Avraham sieht keinen wirklichen Handlungsbedarf. Jugendliche tauchen wieder auf und nach Aussage der Eltern war der Junge eher zurückhalten, strebsam, unauffällig, mit wem sollte er sich angelegt haben. Auch die Befragung der Nachbarn bestätigt dies, so kommen keine wirklichen Ermittlungen in Gang. Erst als Ofers Rucksack gefunden wird und der ehemalige Nachhilfelehrer sich zunehmend verdächtig verhält, beginnt die Polizei die richtigen Fragen zu stellen. Was verheimlichen Eltern und warum informieren sie die Polizei nicht über vermeintliche Briefe Ofers und den Anruf eines potentiellen Entführers?

Ein Krimi mit einer Reihe ungewöhnlicher Figuren. Der Ermittler wurde mir nicht richtig sympathisch, vor allem, weil er so passiv blieb, als wenn ihn der Fall gar nicht interessieren würde. Positiv jedoch, dass er nicht die üblichen Klischees der einsamen, drogen- bzw. alkoholabhängigen Ermittler bedient. Die Eltern, weil sie zwischen apathisch und desinteressiert waren, was sich jedoch im Laufe der Handlung nach und nach erklärt. Der fall bietet zunächst wenig Greifbares und wartet dann mit einer völlig unerwarteten, aber schlüssigen Erklärung auf, die absolut überraschen kann.