Robert Brack – Die rote Katze

Der Mord an einer Varieté Tänzerin wird der erste Fall für den Schutzmann-Anwärter Heinrich Hansen. Nach Jahren auf See ist er in seine Heimat St. Pauli zurückgekehrt, um dort den neuen Beruf als Kriminaler zu erlernen. Dabei trifft er auf alte Bekannte, ist doch der Varieté Besitzer einer seiner Kindheitsfreunde und die Tänzerinnen Lilo das Mädchen, das er jahrelang verehrte. Vieles hat sich in den Jahren der Abwesenheit verändert, vieles aber auch nicht und bald brechen alte Wunden wieder auf. Der Fall indes ist vertrackt, aber Heinrich erweist sich als gelehrsam und begabt und schnell schon entdeckt er Ungereimtheiten, die leider sowohl bekannte Bürger Hamburgs als auch Kollegen in Schwierigkeiten bringen könnten.
Was dem Roman gut gelungen ist, ist das Hamburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor dem inneren Auge des Lesers wieder auferstehen zu lassen. Sowohl die Beschreibungen wie auch die Wortwahl setzen einem die 100 Jahre zurück und man kann sich das Treiben der sündigen Meile bildlich vorstellen. Auch die Figur des Heinrich Hansen ist interessant und komplex gezeichnet, er hat gleich mehrere Konflikte mit sich auszutragen, die keine einfachen Antworten erlauben. Der Kriminalfall hat sich für mich ein paar Mal zu sehr um die eigene Achse gedreht, ein wenig mehr Stringenz hätte dem Roman hier gut getan. Auch die zahlreichen Rückblicke, die zwar das Handeln einiger Figuren und ihr Verhältnis zueinander erklären, wurden irgendwann zu störenden Längen im Erzählfluss. Auch braucht die Handlung entsprechend sehr lange, bis sie sich tatsächlich dem Mordfall des Prologs widmet.

Fazit: durchaus unterhaltsam und interessant zu lesen, für einen Krimi aber zu wenig Spannung.
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