Oliver Kern – Geist des Bösen

Der Nigerianer Cassidy Osuji wird wenige Tage vor Weihnachten tot in einer Waiblinger Lagerhalle aufgefunden. Das Kokain, das er bei sich trägt, lässt darauf schließen, dass er in den lokalen Drogenhandel verwickelt war und ein Streit unter den Händlern eskalierte. Allerdings werfen seltsame Markierungen im Gesicht der Leiche Fragen auf und schnell zeigt sich, dass der Fall weitaus komplexer ist. Wieso nutzt er seinen nigerianischen Pass und Visa, wo er sich doch mit dem zweiten, britischen Pass problemlos in Deutschland aufhalten kann? Weshalb erzählte er seiner deutschen Ehefrau Lügengeschichten und was treibt er, wenn er nachts unterwegs ist? Und welche Rolle spielen die Neonazis, die sich in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben und ein weiterer Nigerianer, der kurz danach bei der Flucht vor der Polizei ums Leben kommt? Die Weihnachtstage rücken für Kommissarin Kristina Reitmeier und ihre Kollegen in weite Ferne.
Der Thriller überzeugt mich durch seine hohe Komplexität. Viele verschiedene Aspekte fließen mit ein und lassen die Ermittlungsarbeit immer weiter ausufern, eine einfache, leichte Klärung verweigernd. Auch als Leser kann man zwar allerlei Mutmaßungen anstellen, die tatsächlichen Zusammenhänge kommen aber erst spät ans Licht und sind auch dann keine simplen Lösungen. Eine Reihe von unterschiedlichen Faktoren und Motivlagen, unüberwindbaren Zwängen und Gefühlen leiten die Figuren, was sie facettenreich und glaubwürdig erscheinen lassen und der gesamten Handlung sehr viel Authentizität verleihen.  Der ganz große Thrill war für mich nur an wenigen Stellen gegeben, aber die Konstruktion als Ganzes in ihrer Vielschichtigkeit konnte mich überzeugen und fesseln.

Fazit: ein eher anspruchsvolles Exemplar im Thrillergenre, das nicht auf ausgetreten Pfaden wandelt. 
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