Thomas Hettche – Pfaueninsel

Die Pfaueninsel, an der Havel gelegen, südlich von Berlin ist der Schauplatz der fast märchenhaft anmutenden Geschichte. Die kleinwüchsige Marie und ihr Bruder Christian kommen als Kuriositäten auf die Insel und wachsen dort zwischen Palmenhaus und Menagerie auf. Marie tut sich schwer damit ähnlich wie die exotischen Tiere, die nach und nach angeschafft werden oder wie andere kurios anmutende Menschen – von den Südseeinseln oder ein Riese – etwas zu sein, dass die Besucher bestaunen. Sie versucht sich ein normales Leben zu geben, verliebt in den Gärtner Gustav hofft sie sogar auf die Liebe. doch dieser Wunsch soll ihr verwehrt bleiben, ebenso wie das Kind, das sie bekommt und das Gustav ihr nimmt. So wie die Insel im Laufe der Zeit bei den Nachfolgern des Königs an Interesse verliert, wird auch Marie immer einsamer und schließlich ist das gealterte Schlossfräulein quasi einsam in dieser verzauberten Welt fernab des Fortschritts.

Eine wahrhaft märchenhafte Erzählung, die so hätte stattfinden können und doch erfunden ist. Auch wenn die Handlung für mich nur begrenzt reizvoll war, gelingt es Hettche mit einer außerordentlich poetischen Sprache, den Zauber dieser Welt hervorzurufen und das Treiben der Lebewesen vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Wahrlich eine Reise in eine ganz andere Welt, die so schon lange nicht mehr existiert. 
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