Ralph B. Mertin – Nachtigall im Winter

Waisenhaus Königspfalz, 1950. Choran tritt seine Stelle als Gruppenleiter an. Das Haus steht unter dem Regiment Direktor Köhler, der nicht nur mit harter Hand führt, sondern auch einzelne Gruppen bevorzugt, wie die Gruppe Nachtigall. Andere hingegen – Chorans Jungs in Haus Winter – werden systematisch benachteiligt. Doch mit der Ankunft des undurchsichtigen Mannes ändert sich die Lage. Er bringt den Jungs Zusammenhalt und Gruppenstärke bei. Dies ist aber keineswegs so uneigennützig, wie es scheint. Er zieht die Kinder in seinen mystischen Bann und arbeitet mit Drogen und Jahrtausende alten Riten. Ein Reporter nähert sich derweil der Institution und merkt schnell, dass hier einiges schief läuft und vor allem manch ein Beschäftigter etwas vorgibt, was er gar nicht ist. Die Nazizeit holt die Bewohner langsam wieder ein und die dunkle Zeit bricht an dieser Stelle wieder an.
Ein Thriller der besonderen Art. Das Waisenhaus als von der Welt abgeschottete Institution bietet mit seinen traumatisierten und zum Teil verrohten Bewohnern die perfekte Kulisse für eine grausame Instrumentalisierung. Die Gewalt unter den Kindern ist schon arg – bei ihren Vorgeschichten jedoch glaubwürdig motiviert und authentisch. Auch die Nazivergangenheiten und der Versuch, ein neues Leben unter falscher Identität zu starten ist sicherlich realistischer als man sich das heute vorstellen mag. Die mystischen Elemente waren jetzt weniger mein Fall, ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es solche Zauber gibt und Menschen allein durch den Glauben an die Wirksamkeit über sich hinauswachsen. Insgesamt eine interessante Verbindung unterschiedlichster Elemente, die einen spannungsgeladenen Roman mit überraschendem Ende zu bieten hat.

Fazit: für mich im Thrillergenre sicher eine bemerkenswerte Ausnahme.
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